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Samstag, 31. Oktober 2020

Sandfox plaudert - Warum Horror das tollste Genre von allen ist (mit Kaid)

Horror - das tollste Genre von allen.
Und an welchem Tag des Jahres kann man den Schrecken besser feiern als an Halloween?
    
Von daher möchten Kaid und ich dich heute in die Nacht hinein begleiten mit einer Unterhaltung darüber, was Horror zu so einem faszinierenden Genre macht.
Außerdem erzählen wir dir, welche Bücher, Filme und Rollenspiele uns besonders begeistert haben.
Vielleicht ist ja auch das eine oder andere für dich dabei (die entsprechenden Links, und zwar jede Menge davon, findest du unter dem Podcast).
 
Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß bei der neusten Folge von Sandfox plaudert:


Du findest mich im Web unter:


Die Musik aus dem Podcast ist eine gekürzte Fassung des Tracks Funny Horror von Andrey Sitkov, lizensiert unter den Humble Big Music Bundle for Games, Films, and Content Creators - License Terms.
 
Das Titelbild dieses Podcasts stammt von Mojca J auf Pixabay.

Unsere Empfehlungen und einiges andere:

Fantasyfilmfest: http://www.fantasyfilmfest.com/

Filme:

Bücher:
Hörspiele:

Montag, 3. August 2020

Die besten Horrorfilme des Jahres 2012 - "Die Frau in Schwarz" & "Sinister"

Die Übersicht über die ganze Artikel-Reihe befindet sich hier.

Es hat etwas länger gedauert, bis mal wieder ein Artikel dieser Reihe erscheinen konnte, aber vielleicht geht es ja jetzt etwas schneller vorwärts.
Immerhin haben wir ja vom Jahr 2012 aus gerechnet noch 7 Stationen vor uns.

Das Jahr 2012

Die Eurokrise hat die EU weiterhin fest im Griff, und Angela Merkel wird durch ihre strikte Sparpolitik vor allem in Südeuropa zur Hassfigur. Bundespräsident Wulff tritt zurück, sein Nachfolger wird Joachim Gauck. Der 17-jährige Schwarze Trayvon Martin wird als angeblicher Dieb von einem Weißen in Florida erschossen, was in den USA zu einer erhitzten Rassismus-Debatte führt.
Das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia schrammt an der Insel Giglio vorbei und kentert. Felix Baumgartner führt einen Stratosphärensprung aus 39 Kilometern Höhe durch. Die ausrangierten Space-Shuttles treten den Flug ins Museum an, während der vollautomatische Dragon-Transporter erstmals die ISS erfolgreich versorgt und der Rover Curiosity sicher auf dem Mars landet.
"Rettungsroutine" ist das Wort des Jahres, und ich beschäftige mich mit der deutschen Ausgabe des Rollenspiels Space: 1889 für den Uhrwerk-Verlag und arbeite am Cthulhu-Band Ägypten - Altes Land der Pharaonen mit.

Der Horrorfilm des Jahres: Die Frau in Schwarz

Der "Sieger" des Jahres 2011, Cabin in the woods, versuchte den Horror im Film zu hinterfragen und mit den Konventionen des Genres zu brechen.
Das versucht Die Frau in Schwarz definitiv nicht, denn hier geht es nur darum, einen klassischen Geisterfilm mit besonderer Liebe zu zelebrieren.


Der junge Anwalt Arthur Kipps wird von seiner Kanzlei in das Dorf Crythin Gifford geschickt, um dort den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow zu regeln. Dafür muss er sich in ihr Anwesen Eel Marsh House begeben, einen alten Landsitz auf einer Anhöhe im Watt, der bei Flut vom Festland abgeschnitten ist.
Bei seinen Besuchen im Dorf stößt er dabei immer wieder auf die Legende von der Frau in Schwarz, welche die Kinder von Crythin Gifford dazu bringt, sich selbst zu töten.
Zusammen mit Sam Daily, einem der wenigen Einwohner des Dorfes, der ihm nicht voller Ablehnung entgegentritt, versucht Kipps, die Identität der Frau in Schwarz zu klären und ihren Geist zur letzten Ruhe zu betten.

Die wirklich klassische Gruselausrichtung des Films verwundert nicht wirklich, wenn man weiß, dass hinter diesem Streifen die reanimierten Hammer Studios stehen, die vor allem in den Fünfziger und Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts das Maß aller Dinge im Bereich des stimmungsvollen Gothic Horror waren. Man versuchte mit diesem Streifen an die glorreichen Zeiten des Studios anzuknüpfen, was auch gelang. Bei einem Budget von etwa 17 Millionen Dollar spielte der Film 130 Millionen ein und zog auch ein Sequel, Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes, nach sich, das jedoch nicht an die Qualität des Originals heranreichte.
Der Film basiert auf dem Roman The Woman in Black von Susan Hill aus dem Jahr 1983, der jedoch ein anderes Ende aufweist (das hier jedoch ebenso wenig wie das Ende des Films verraten werden soll).
Von den Darstellern fällt besonders Daniel Radcliffe auf, den meisten sicherlich bekannt als Harry Potter, der mit diesem Film einen seiner ersten Versuche unternahm, sich von seiner bekanntesten Rolle freizuschwimmen. Und tatsächlich nimmt man ihm die Rolle des von persönlichen Leiden zerrissenen Anwalts sehr gut ab.
Ansonsten lebt der Film von seiner grauen und düsteren Atmosphäre, die vor allem der Landschaft von Scarborough in Nord-England und den beeindruckenden Kulissen geschuldet ist. Die Geschehnisse scheinen immer mehr auf einen grausigen Höhepunkt hinzuarbeiten, doch ob das Ende des Films wirklich das Ende der Erscheinungen andeutet, bleibt zumindest fraglich. Wer aber genau hinsieht, kann in vielen Einstellungen im Hintergrund oder zwischen anderen Menschen immer wieder die Frau in Schwarz erkennen, oft nicht mehr als ein Schemen, das dennoch darauf hindeutet, wie sehr diese Figur mit der Landschaft und dem Dorf verbunden ist.
Ein Leckerbissen für Gruselfreunde, wenn auch weniger für Leute, die ihren Horror mit Blut und Gedärmen vorziehen.

Ehrenvolle Erwähnung: Sinister

Als der Schriftsteller Ellison Oswalt mit seiner Familie in ein neues Haus zieht, findet er auf dem Dachboden alte Super-8-Filme, die zeigen, wie mehrere Familien ermordet werden. Ohne es zu ahnen, befreit Oswalt mit dem Ansehen der Filme ein unheimliches Wesen, das nun auch seine Familie bedroht.
Sinister ist ein düsterer Horrorfilm mit einem innovativen Gegner der Protagonisten, der aus einer interessanten Prämisse eine gelungene Geschichte spinnt, bis zum unausweichlichen Ende.


 
Das Titelbild stammt von Maret Hosemann und wurde heruntergeladen von Pixabay.

Dienstag, 14. April 2020

Die besten Horrorfilme des Jahres 2011 - "Cabin in the woods" & "Trollhunter"

Die Übersicht über die ganze Artikel-Reihe befindet sich hier.

Fahren wir fort mit unserer Tour durch die Zehnerjahre des 21.Jahrhunderts und begeben wir uns ins Jahr 2011.

Das Jahr 2011

Ein Erdbeben und ein anschließender Tsunami lösen im japanischen Fukushima eine schwere Nuklear-Katastrophe aus, was in Deutschland zum Atomausstieg führt. Der arabische Frühling nährt für eine gewisse Zeit im Nahen Osten die letztendlich trügerische Hoffnung auf Demokratie und Veränderung. Gleichzeitig schlittert der Euro in eine tiefe Krise mit Rettungsschirmen und Konsolidierungsmaßnahmen, und der Tod des Technikvisionärs Steve Jobs lässt seinen Konzern Apple zeitweise kopf- und ziellos zurück.
"Stresstest" ist das Wort des Jahres, und ich beschäftige mich mit der deutschen Ausgabe von Cthulhu Now und schreibe für das Cthulhu Spielerhandbuch das Abenteuer Sie haben Ihr Ziel erreicht.

Der Horrorfilm des Jahres: Cabin in the woods

Es gab schon immer Filme, die sich daran versuchten, die Methoden und Tricks des Horrors offenzulegen oder sie - kombiniert mit anderen Handlungselementen oder ironischen Brüchen - zur Grundlage eines neuen Films zu machen.
Cabin in the woods holte 2011 zu einem Rundumschlag gegen das Genre aus und mischte seine Abrechnung mit der Einfallslosigkeit vieler Horrorfilme und den immergleichen aufgewärmten Klischees mit einer gehörigen Portion sarkastischen und bösartigen Humors.


Fünf junge Studenten machen sich auf den Weg zu einer einsamen Waldhütte. um ein wildes Wochenende zu erleben. An der letzten Tankstelle vor dem Ziel werden sie von dem schmierigen Tankwart gewarnt, dass in der Hütte nichts Gutes auf sie wartet, doch sie schlagen seine Worte in den Wind und fahren doch zu ihrem Ziel.
Dort erwecken sie eine alte Macht, die ihnen nun nach dem Leben trachtet. Doch anders als in vielen anderen Filmen dieser Art (und es gibt sicher Tausende davon) wird hier das Verhalten der Monster und Opfer von einer geheimen Regierungseinrichtung aus kontrolliert und teilweise auch gesteuert.
Und wie es scheint, dreht sich bei diesem Vorhaben alles um nicht weniger als den Fortbestand der Menschheit.

Cabin in the woods beginnt mit einer Szene in der angesprochenen Einrichtung, die schließlich in einen Titel-Schriftzug mündet, der augenblicklich an die Achtziger erinnert. Diese Eröffnungssequenz erweist sich natürlich als ausgesprochen geschickter Schachzug, wenn man bedenkt, dass die nun folgende Handlung zunächst einmal nach dem 1.000. Aufguss alter Klischees aussieht. Doch so will man wissen, was diese wirklich widerwärtig selbstherrlichen Kretins in ihren Laborkitteln, die man sofort mit Inbrunst hasst, mit all dem zu tun haben, was den jungen Leuten.
Auch einige andere Szenen, die scheinbar nicht in ins Bild der Klischees passen, wecken die Neugier des Zuschauers.
Und soviel sei verraten, er wird für seine Geduld belohnt, denn Cabin in the woods fährt vor allem am Ende eine ganze Menagerie von Monstern auf, entweder klassische Kreaturen oder geschickt abgewandelte Kopien, wenn die entsprechenden Rechte nicht frei verfügbar waren. Das Ganze wird dann noch mit einem stellenweise sehr zynischen Humor garniert, der jedoch möglicherweise manchem Zuschauer auch sauer aufstoßen wird.
Das Ende des Films passt hingegen hervorragend zu diesem boshaft-amüsierten Grundtenor und ist auf angenehme Weise kompromisslos inszeniert.
Cabin in the woods wurde zum Überraschungshit und hätte sicher auch das eine oder andere Sequel nach sich gezogen, wenn das nicht so absurd gewesen wäre. So bleibt uns ein Film, der genau weiß, woher er kommt, und darum auch vor allem erfahrenen Horror-Fans Spaß machen wird, die gerne versuchen können, alle Referenzen auf bekannte Filme und Reihen zu entdecken.

Ehrenvolle Erwähnung: Trollhunter

Der norwegische Film Trollhunter versucht sich an dem Spagat, einen Found-Footage-Film über die Jagd nach Trollen zu inszenieren, der so aussieht, als sei er real und ohne Filmteam realisiert worden, der aber gleichzeitig stark von seinen aufwändigen Spezialeffekten abhängt.
Und tatsächlich gelingt ihm dieses Vorhaben bemerkenswert gut.


 
Das Titelbild stammt von Maret Hosemann und wurde heruntergeladen von Pixabay.

Dienstag, 7. April 2020

Die besten Horrorfilme des Jahres 2010 - "Insidious" & "Monsters"

Die Übersicht über die ganze Artikel-Reihe befindet sich hier.

Wir beginnen unsere Reise durch die Zehnerjahre des 21.Jahrhunderts im Jahr 2010, und wenn wir auf die Ereignisse von damals zurückblicken, erscheint es fast unglaublich, dass das alles schon zehn Jahre her sein soll.

Das Jahr 2010

Das Jahr wird in Deutschland bestimmt durch den Streit um den Bahnhofsneubau Stuttgart 21 und die Katastrophe um die Love Parade in Duisburg. Lena gewinnt den Eurovision Song Contest mit Satellite, und Deutschland wird unter dem Dröhnen der Vuvuzelas Dritter bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Haiti wird durch ein Erdbeben völlig zerstört, und 33 Bergarbeiter überleben in Chile 33 Tage unter der Erde.
"Wutbürger" ist das Wort des Jahres, und ich beschäftige mich mit der bislang letzten Version des Regelwerks von Plüsch, Power & Plunder sowie dem Cthulhu-Quellenband Wien - Dekadenz und Verfall.

Der Horrorfilm des Jahres: Insidious

Regisseur James Wan und Drehbuchautor Leigh Wannell hatten mit ihrem Film Saw einen waschechten Superhit hingelegt, der bislang 7 Sequels nach sich zog (ein Teil 9 ist aktuell in Produktion).
Der direkte Nachfolger Dead Silence um verfluchte Bauchrednerpuppen zündete zwar nicht wirklich, aber mit Insidious kehrten die beiden wieder in die Erfolgsspur zurück.


Die Familie Lambert zieht in ihr neues Haus. Nach wenigen Tagen fällt ihr Sohn ohne jede Erklärung ins Koma. Von diesem Zeitpunkt an werden die verbleibenden Familienmitglieder von unbekannten Phänomenen geplagt. Zudem scheint die Ehe der Eltern an den Vorkommnissen zu zerbrechen, als Josh Lambert sich mehr zurückzieht, um sich den Problemen nicht zu stellen.
Als sie in ein neues Haus ziehen, um den "Geistern" zu entkommen, müssen sie erkennen, dass die Erscheinungen offenbar nichts mit dem Gebäude zu tun hatten ...

Insidious wurde von vielen Kritikern als klischeehafter und uninteressanter Geisterfilm bezeichnet. Tatsächlich findet man viele klassische Bilder und Motive in diesem Film, doch man kann den beiden Machern trotzdem keine Einfallslosigkeit vorwerfen. Sie geben sich stattdessen alle Mühe, ihre Geschichte mit neuen Handlungselementen und einer außergewöhnlichen Auflösung zu versehen.
Dabei werden zwar einige Elemente von Dead Silence wiederverwertet, und wer die späteren Filme der Reihe Conjuring - Die Heimsuchung sieht, wird auch erkennen, wo die Filmemacher sich stilitisch und inhaltlich selbst zitieren. Trotzdem steht der Film sicher genug auf seinen eigenen Beinen und weiß mit viel Atmosphäre und so manchem Schreckmoment zu überzeugen.
Insidious zog bislang drei Sequels nach sich, wurde jedoch vom Erfolg der folgenden Geisterfilm-Reihe um Conjuring - Die Heimsuchung, die ebenfalls von Wan und Wannell entwickelt wurde, nahezu überrollt (was ich allerdings nie ganz nachvollziehen konnte).
Auf jeden Fall  ist mir Insidious als Beispiel für einen hervorragend gemachten Geisterfilm im Gedächtnis geblieben.


Ehrenvolle Erwähnung: Monsters

Der außergewöhnliche Alien-Invasions-Film Monsters hat sich seinen Platz in dieser Aufzählung verdient, weil Regisseur Gareth Edwards ihn für nicht mal eine halbe Million Dollar im Guerillastil drehte, von den geschickte getimeten Außenaufnahmen bis hin zu den überzeugenden Spezialeffekten; bei Godzilla und Star Wars: Rogue One durfte er dann mit deutlich größeren Budgets jonglieren.


  
Das Titelbild stammt von Maret Hosemann und wurde heruntergeladen von Pixabay.

Sonntag, 5. April 2020

Ein Jahrzehnt des Schreckens - Die besten Horrorfilme aus den Jahren 2010 bis 2019

Am 7. Januar habe ich etwas über das neue Jahrzehnt geschrieben, im Artikel 2020 - Los geht's!

Vieles hat sich seitdem verändert, doch vieles ist auch gleich geblieben, manches gar wichtiger geworden, als ich je erwartet hätte.

Eigentlich fasste ich direkt danach den Entschluss, das vergangene Jahrzehnt noch einmal Revue passieren zu lassen, doch verschiedene Ereignisse (bei Weitem nicht nur Corona) ließen diesen Gedanken wieder in Vergessenheit geraten.
Jetzt, wo der Virus scheinbar alles Denken und Schaffen beherrscht, möchte ich die Zeit mit sinnvollen Aufgaben füllen, und auf einmal klang die Idee aber wieder interessant. Also dachte ich darüber nach, was quasi MEIN Rückblick auf die letzten zehn Jahre sein könnte.

Manchmal ist der erste Gedanke einfach der Beste: warum keine Retrospektive auf die meiner Meinung nach besten Horrorfilme der Jahre 2010 bis 2019? Ich habe schon immer ein besonderes Faible für die düstere Seite der Phantasie gehabt, für die seltsamen und abgründigen Geschichten des Grauens, die eben vor allem in diesem Genre anzutreffen sind.

Ich lade euch also ein, gemeinsam mit mir die Geschichte der Zehner Jahre zu durchwandern und einige alte Bekannte wiederzutreffen, vielleicht aber auch den einen oder anderen Fremden kennenzulernen. Schauen wir uns gemeinsam an, welche Streifen mich besonders gegruselt haben, welche einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, welche vielleicht sogar mein weiteres Schaffen beeinflusst haben.
Für jedes Jahr werde ich kurz berichten, was sich in der Welt gerade zugetragen hat, bevor ich mir meinen Lieblingsfilm herauspicke und ein wenig darüber erzähle.
Und da es manchmal wirklich schwer war, sich für nur einen Film zu entscheiden, werde ich außerdem noch eine Nennung ehrenhalber aufnehmen, zu der ich nur einen kurzen Satz sagen werde.


Und damit ihr den Überblick behaltet, findet ihr an dieser Stelle eine Auflistung aller Jahre mit den zugehörigen Filmen.
  1. 2010 - Insidious & Monsters
  2. 2011 - Cabin in the woods & Trollhunter
  3. 2012 - Die Frau in Schwarz & Sinister


Das Titelbild stammt von Maret Hosemann und wurde heruntergeladen von Pixabay.

Sonntag, 17. Februar 2019

Wie alles begann: Stephen Kings "Christine"

Jeder Autor hat diese Momente in seinem Leben, in denen er spürt, dass er gerade ein Stück Kunst erlebt hat, dass sein Leben verändern wird.
Und so verrückt das vielleicht für manche Leute klingen mag, für mich war das 1984 Christine, der erste Roman vom Großmeister des Schreckens, Stephen King, den ich je gelesen habe, und zugleich bis heute einer meiner Lieblingsfilme von John Carpenter.

Worum geht's?

Arnie Cunningham ist ein Schüler, für den die Highschool eine nicht enden wollende Kette von Demütigungen ist. Doch zum Glück hat er einen guten Freund, den Football-Star der Schule Dennis Guilder, der ihm immer wieder aus den schlimmsten Situationen heraushilft.
Doch all dies ändert sich in dem Moment, als Arnie ein heruntergekommenes Auto auf einem verwilderten Grundstück entdeckt. Der schrottreife Plymouth Fury von 1958 trägt den Namen Christine, und gegen den Widerstand seiner Eltern und zum Unverständnis seiner Freunde kauft Arnie den Wagen von seinen Ersparnissen und beginnt ihn zu reparieren.
Wider Erwarten macht er dabei schnelle Fortschritte, und schon bald kann er mit dem knallroten Straßenkreuzer vor der Schule vorfahren. Es gelingt ihm sogar, Leigh Cabot, das schönste Mädchen der ganzen Schule, zu seiner Freundin zu machen.
Arnie wird selbstbewusster, bis hin zur Arroganz, aber gleichzeitig auch unbeherrschter. Die Freundschaft mit Dennis und schließlich auch seine Beziehung zu Leigh drohen an der bizarren Liebe zu Christine zu zerbrechen.
Die Situation eskaliert endgültig, als die Schulschläger unter ihrem Anführer Buddy Repperton den Wagen in einer Nacht- und Nebel-Aktion vollständig zerstören. Als Arnie das zertrümmerte Auto findet, zerbricht etwas in ihm. Doch Christine baut sich unter seinen faszinierten Augen selbstständig wieder zusammen.
Pötzlich beginnt der rote Wagen einen grausamen Rachefeldzug gegen sene Peiniger, doch ist es wirklich das Auto oder doch Arnie, der diese Rachegedanken hegt?

Das Buch

Stephen King schrieb den Roman Christine 1982, das Buch erschien 1983 bei Viking. Im ersten Jahr verkaufte der Roman mehr als 300.000 Exemplare, und Stephen King, der im Nachhinein nicht wirklich von seinem Werk überzeugt war, nahm zum ersten Mal richtig Geld ein, weil er einen neuen Vertras ausgehandelt hatte.
Die deutsche Übersetzung von Bodo Baumann erschien noch knapp vor Beginn des Jahres 1984 bei Bastei Lübbe.
Zu jener Zeit entdeckte ich gerade den "King of Horror", und Christine war nach der Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht der erste Roman, den ich von ihm las. Ich war (als Führerschein-Neuling) sogleich fasziniert von der Geschichte um ein verfluchtes Auto, das ein grausiges Eigenleben führte, und verschlang das Buch in kürzester Zeit.
Der Loser Arnie Cunningham war irgendwie ein Spiegelbild dessen, wie ich mich während meiner Schulzeit oft fühlte, und ich träumte davon, mit einem schönen Mädchen an meiner Seite ein mindestens ebenso cooles Auto zu fahren, und das, obwohl vor meinem Haus immerhin ein Opel Kadett mit Rallye-Streifen stand (damals schon ziemlich weit vorne).

Der Roman erhielt durchwachsene Rezensionen, und wenn man ihn objektiv betrachtet, stimmen die meisten der Kritikpunkte wohl auch. Es wurde immer wieder gesagt, King habe dieses Buch in einem einzigen riesigen Alkoholiker-Blackout geschrieben, und vieles wirkt auch so, als wisse der Autor nicht mehr, was er zehn Seiten zuvor geschrieben hat. Viel zu viele Kapitel scheinen keinen wirklichen Sinn zu erfüllen, und ganze Sub-Plots (wie eine Geschichte über Zigarettenschmuggel) könnte man entfernen, ohne dass der Roman etwas verlieren würde.
Und doch reißt King in den besten Teilen des Buchs dem amerikanischen Traum die grinsende Maske vom Gesicht und offenbart ihn als boshafte Fratze.


Der Film

Stephen King bot die Rechte an Christine noch vor der Veröffentlichung dem Produzenten Richard Kobritz zur Verfilmung an, und der sprang sofort auf die Geschichte an, welche in seinen Augen vor allem die Besessenheit der Amerikaner mit ihren Autos thematisierte.
Das von Bill Phillipps verfasste Drehbuch basierte auf einer Arbeitsfassung des Romans und nimmt sich einige Freiheiten gegenüber dem Original. So wurden beispielsweise einige der Todesszenen geändert, um sie filmisch ansprechender zu machen, teilweise aber auch, um sie überhaupt finanzieren zu können (so hätte die Todes-Szene des Schrottplatzbesitzers erfordert, dass Christine ein ganzes Haus plattmacht).
John Carpenter übernahm den Posten als Regisseur nicht aus Begeisterung, da er den Roman als wenig erschreckend empfand, doch nach dem Misserfolg seines Herzensprojekts Das Ding aus einer anderen Welt brauchte er einfach einen Job.
Die Besetzung besteht vor allem aus jungen, unverbrauchten Gesichtern, zum Beispiel dem späteren Baywatch-Star Alexandra Paul als Leigh Cabot in einer ihrer ersten Rollen. Altbekannte Gesichter wie Harry Dean Stanton als misstrauischer Bulle oder Robert Prosky als schmieriger Schrottplatz-Besitzer runden den Cast ab.
Musikalisch wird das Ganze vor allem von der typischen elektronischen John-Carpenter-Musik untermalt, doch dazwischen tauchen immer wieder alte Rock'n'Roll-Songs auf. Vor allem aber der Einstieg in den Film mit dem Song Bad to the Bone von George Thoroughgood & the Destroyers reißt den Zuschauer sofort in eine Welt, in der Musik und Autos mehr sind als einfach nur Nebensache.
Die auch heute noch beeindruckende Szene, in der sich Christine selbst wieder repariert, wurde übrigens erst im Nachhinein gedreht, weil der Regisseur zunächst das Mysterium aufrechterhalten wollte, dann aber doch einsah, dass das Publikum sehen wollte, was genau der Wagen tat, um wieder wie neu zu werden. Das obige Video enthält übrigens einige Ausschnitte dieser Momente.
Wie schon der Roman wurde der Film von der Kritik nicht gerade in den Himmel gelobt, und obwohl der Streifen an den Kinokassen nicht wirklich durchfiel, war er doch nicht der rauschende Erfolg, den man wegen des damals gerade übermäßig erfolgreichen Namens Stephen King erhofft hatte.

Die Folgen

Eine Zeitlang geriet Christine fast in Vergessenheit, doch der anhaltende Erfolg auf dem Heimkino-Markt (erst auf VHS, dann auf DVD und BluRay) machte aus dem anfangs wenig beliebten Streifen irgendwann einen Kultfilm.
Das gleichermaßen bullige und ästhetische Äußere des Plymouth Fury machte das eigentlich nicht sonderlich erfolgreiche Auto zu einer Art Sinnbild für die Autos der Fünfziger, und das, obwohl im Film auch Wagen der Baureihen Savoy und Belvedere den Platz der Hauptdarstellerin einnehmen mussten, weil man nicht genügend Furys auftreiben konnte.
Auch die inzwischen bekannte und bei den Fans beliebte rote Farbe war eigentlich nicht der Standard, sondern wenn überhaupt eine Sonderlackierung, da der Plymouth Fury normalerweise in Weiß mit goldenen Seitenstreifen angeboten wurde.
Das bösartige Auto wurde zu einem immer wiederkehrenden Bild vor allem in Verfilmungen von Stephen King. Bis heute tauchen in immer neuen Filmen und Serien, sie ich mehr oder weniger auf den "King of Horror" beziehen, rot-weiße Plymouth Furys auf, die mit dröhnendem Motor durch die Landschaft rasen. Für die besondere Rolle der wildgewordenen Auto-Dame spricht auch, dass spätere Bücher mit ähnlichem Thema wie Der Buick nie diesen Kult-Charakter erreichen konnten.
Und was John Carpenter angeht, der scheint sich inzwischen zwar vom Filmemachen weitestgehend zurückgezogen zu habn, doch ein von ihm selbst gedrehtes Musik-Video zu einer Neuaufnahme des Christine-Themas zeigt, dass auch er wohl inzwischen seinen Frieden mit dem roten Wagen geschlossen hat.


Die Folgen für mich

Auch bei mir ist Christine irgendwann unter den Hunderten anderer Bücher und Filme verloren gegangen, die ich in den 35 Jahren danach konsumiert habe. Das Buch verschwand in einem Regal in der zweiten Reihe, und die irgendwann gekaufte DVD wurde - feinsäuberlich im Regal einsortiert - vergessen.
Doch dann fand ich in einer Kiste im Keller einige alte Schreibmaschinenseiten, die wohl aus dem Jahr 1984 stammen mussten (einen Computer hatte ich damals noch nicht).
Sowohl der Roman als auch der Film Christine endeten damit, dass der dämonische Plymouth Fury möglicherweise nicht wirklich zerstört war, sondern sich erneut regeneriert hatte und nach einigen Jahren wieder loszog, um sich an denen zu rächen, die für seine zeitweise Zerstörung verantwortlich waren.
Mit gerade mal 19 Jahren hatte ich damals beschlossen, dass ich in der Lage wäre, eine adäquate Fortsetzung zu schreiben, in der die beiden Helden des Romans, Dennis und Leigh, die sich laut Original voneinander getrennt hatten, erneut aufeinander trafen und sich ihrer motorisierten Nemesis zu einem letzten Duell stellen mussten.
Somit ist diese Geschichte wohl eins der ältesten Werke aus meiner Feder, das den Weg in die Jetztzeit geschafft hat, und eins der ersten Beispiele für meine "Schreibkunst". Somit ist Christine im besonderen Maße verantwortlich für alles, was ich in den folgenden Jahren verfasst habe.
Damit ihr sehen könnt, was ich damals für eine gute Idee hielt, möchte ich wenigstens eine kurze Synopse des Textes bieten, den ich damals verfasst habe.

Christines Rückkehr

Ich hatte die Geschichte nach Las Vegas verlegt (warum, kann ich nicht mehr sagen, vermutlich hatte ich einen Film darüber gesehen und meiner Faszination für die Stadt in der Wüste nachgegeben), wo Leigh mit ihrem neuen Freund lebte, den ich schon auf der ersten Seite von Christine umbringen ließ.
Dennis hatte vom erneuten Auftauchen des Wagenms gehört und tauchte in Vegas auf, um Leigh beizustehen. Nachdem sie Christine in einer wilden Verfolgungsjagd entkommen waren, sich aber im Streit getrennt hatten, entführte Christine das Mädchen (bemerkenswerterweise in einer Szene, die dem obigen Musik-Video sehr ähnelt). Dennis lockte das verfluchte Auto daraufhin mit seinem Pontiac Firebird zu der Baustelle eines Casinos (ich schwöre, das war vor Knightrider, aber auch eindeutig nach Ein ausgekochtes Schlitzohr), wo es im strömenden Regen zum letzten Duell kam (ja, genau, in Las Vegas, wo es gefühlt nur ein paar Mal im Jahr ein paar Tropfen regnet).
Das Ende der nur wenige Seiten langen Geschichte war, dass Leigh aus dem fahrenden Auto sprang, während Dennis Christine mit seinem Wagen in ein frisch gegossenes Fundament schob, aus dem sie mehrfach versuchte, sich mit dröhnendem Motor zu befreien, bevor sie endgültig im Beton versank.
Dennis und Leigh, die am Ende natürlich wieder zusammen waren (ich bin nun mal ein Romantiker), besuchten irgendwann das fertige Casino, und sie waren sich beide absolut sicher, dass sie aus dem Bode der Eingangshalle das Dröhnen des mächtigen Achtzylinders hörten, der immer noch in seinem grauen ausgehärteten Gefängnis lief, selbst nach vielen Monaten.

Mittwoch, 24. Januar 2018

Sandfox labert ... über Rollenspiel im Film

Eine ganz spontane Podcast-Folge, die ich heute aufgenommen habe.

Und zwar habe ich gestern einen Film bei ZDF_neo gesehen, nämlich Die 7. Stunde, in dem es um Rollenspiele ging... oder das, was sich ein ZDF-Redakteur darunter vorstellt.
Und das brachte mich auf die Idee, mal ein wenig über die Darstellung von Rollenspiel im Film zu labern:

Sandfox labert - Folge 3 - Rollenspiel im Film

Und bis auf drei Sekunden bin ich sogar endlich an mein selbstgestecktes Ziel eines Podcasts von 15 Minuten Dauer herangekommen.
Ich bin stolz.


Wie im Podcast aufgezählt, findet ihr mich im Web unter:
Die Musik aus dem Podcast ist eine gekürzte Fassung des Tracks Positive and Inspiring Corporate von Andrey Sitkov, lizensiert unter den Humble Big Music Bundle for Games, Films, and Content Creators - License Terms.

Freitag, 24. Februar 2017

Fantasy Filmfest Nights - The Void

John Carpenter trifft H. P. Lovecraft

Das Fantasy Filmfest hatte im Januar wieder einmal seine Pforten geöffnet.
Wobei, eigentlich stimmt das nicht, handelte es sich doch eigentlich eher um seine kleinen Geschwister, die sogenannten Fantasy Filmfest Nights. Immerhin boten diese aber die Möglichkeit, ein Wochenende lang neue und spannende Filme aus dem Phantastik-Bereich zu gucken. Um so ärgerlicher, dass es für mich diesmal nur zu einem einzigen Besuch mit zwei Filmen gereicht hat.
Der erste davon, Safe Neighborhood, war leider so weit von meinem persönlichen Geschmack entfernt, dass ich ihn lieber nicht bewerte (meine Mitstreiter fanden ihn allerdings ziemlich gut).
Der zweite Film jedoch, The Void, traf schon eher einen Nerv bei mir...

Inhalt

Sheriff Daniel Carter trifft auf seiner langweiligen Nacht-Streife auf einen Verletzten, der eine einsame Straße entlang humpelt. Er bringt den Mann zu einem nahegelegenen Krankenhaus, in dem jedoch nur noch eine Rumpfbesetzung und einige mehr oder weniger verzweifelte Patienten sind, da das Hospital am nächsten Tag geschlossen werden soll.
Doch kaum haben die beiden das Gebäude erreicht, tauchen davor Kultisten in weißen Roben auf, die jeden Fluchtversuch gewaltsam unterbinden.
Im Innern des Hauses beginnen sich die seltsamen Vorkommnisse zu häufen, die jedoch scheinbar nicht nur mit dem Verwundeten zusammen hängen. Die Eingesperrten müssen erkennen, dass sie einem größeren Grauen gegenüberstehen als nur ein paar messerschwingenden Götzenanbetern. Einem Unheil, das in den bizarren Kellerräumen auf sie lauert, in denen es vor kurzem einen verheerenden Brand gegeben hat.

Hintergrund

Die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Jeremy Gillespie und Steven Kostanski haben in den letzten Jahren einige eindrucksvolle Credits angesammelt. In den verschiedensten Positionen haben sie an Filmen wie Manborg - Retter der ZukunftCrimson PeakPacific Rim oder Suicide Squad mitgewirkt, aber in diesem Film zeigen sie überdeutlich, wie sehr sie den inzwischen klassischen Horror der Siebziger und Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts lieben, vor allem die Werken von John Carpenter oder Lucio Fulci. So übernehmen sie die Grundidee von Carpenters Assault - Anschlag bei Nacht, vermengen diese aber mit den wilden Phantasien eines H. P. Lovecraft und den Bildern des Italieners Fulci.
Diese Vorlieben treten im Verlauf des Films immer wieder zutage, und ihnen wird auch in der Form von guten alten handgemachten Blut- und Schleimeffekten gehuldigt, wie man sie auch in Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt erlebt hat.


Fazit

The Void bietet fiese Kreaturen, blutige Todesszenen und eine düstere Geschichte, letztendlich also alles, was man von einem Horrofilm der guten alten Zeit erwartet. Und dieser Cocktail aus Genrezitaten schmeckt auch heute noch überraschend gut.
Manchmal wünscht man sich ein etwas strafferes Tempo, und einige alte Filme werden etwas zu werkgetreu zitiert, so dass die Überraschungsmomente bisweilen auf der Strecke bleiben, doch das wird durch die ungemein atmosphärische Inszenierung größtenteils wieder ausgeglichen.
Letztendlich können Fans der aufgeführten Künstler bei The Void nicht viel falsch machen und sich auf einen gelungenen Grusel-Abend freuen.

P. S.: Der BluRay-Start des Films in Deutschland ist für den 19. Mai 2017 vorgesehenen.

Hinweis:
Die Rezension erfolgt anhand einer selbst bezahlten Kinovorstellung.

Trailer


Mittwoch, 30. November 2016

BluRay-Premiere - Abattoir

Das Geheimnis der gestohlenen Zimmer

Das Fantasy Filmfest ist immer wieder ein Quelle der Lebensfreude für den Horror-Fan (oder ist das in diesem Fall vielleicht eher Todesfreude?).
2016 war mein Einstieg in das fröhliche Film-Gemetzel Abattoir (übersetzt "Schlachthaus"), der seit Anfang Oktober auch hierzulande als BluRay-Premiere erhältlich ist und nun endlich auch den Weg in meinen Player gefunden hat.

Inhalt

Julia Talben steckt in einem langweiligen Job als Immobilien-Journalistin fest. Doch ihr ödes Leben endet jäh, als die Familie ihrer Schwester grausam ermordet wird. Der geständige Mörder wird noch am Tatort festgenommen, doch auf die Gründe für seine Tat angesprochen, meint er nur, er habe getan, was getan werden musste.
Zusammen mit ihrem Freund, dem Polizisten Grady, will Julia nun herausfinden, warum ihre Schwester sterben musste. Doch als die beiden den Tatort nochmals aufsuchen wollen, stellen sie nicht nur fest, dass das Haus bereits weniger als eine Woche nach der Tat an einen geheimnisvollen Mann namens Jebediah Crone verklauft wurde, sondern auch, dass das komplette Zimmer, in dem die Tat geschah, aus dem Gebäude entfernt wurde!
Weitere Nachforschungen ergeben, dass dies bereits mit vielen anderen Tatorten geschehen ist, die Crone gekauft hat. Die Spur des Mannes führt in die bizarre Kleinstadt New English, die ein düsteres Geheimnis birgt.

Hintergrund

Regisseur Darren Lynn Bousman ist mir in der Vergangenheit nur als Regisseur von SAW 2 bis 4 begegnet (was in meinen Augen nicht gerade die beste Empfehlung darstellt), aber die Prämisse dieses Films klang interessant genug, um ihm doch noch eine Chance zu geben.
Eine Recherche im Internet ergab, dass der Regisseur schon seit 2009 an der eigenwilligen Geschichte arbeitet, zunächst in Form eines Comics, dann auch als Film.
Ein Prequel unter dem Titel The Dwelling soll bereits in Planung sein.

Vorlage

Der Film Abattoir basiert auf der gleichnamigen sechsteiligen Graphic Novel, die in den USA bei Radical Publishing erschienen ist.
Das eigentliche Konzept des Comics basiert auf Ideen von Darren Lynn Bousman, doch er überließ die Ausgestaltung des Projekts den beiden Autoren Troy Peteri and Rob Levin sowie dem Zeichner Bing Cansino.
Die Geschichte dreht sich um einen Immobilienmakler namens Richard Ashwalt, der ein Haus verkaufen soll, in dem ein schreckliches Massaker stattgefunden hat. Doch als ein geheimnisvoller Mann namens Jebediah Crone auftaucht und einen absurd hohen Preis für das Gebäude bietet, weigert der Makler sich, das Haus abzugeben, da er Crone nicht traut. Doch diese Weigerung lässt ihn tief in eine Welt aus Bedrohnung und Wahnsinn stürzen, aus der er sich möglicherweise nicht mehr befreien kann.
Wie man bereits sieht, die Geschichte der Graphic Novel hat wenig mit dem späteren Film zu tun. Tatsächlich stellt sie eher eine Art Prequel dar, so dass sie auch für denjenigen geeignet ist, der den Film bereits kennt.
Andererseits enthält sie allerdings einige Spoiler für den Film, so dass man sie vielleicht erst danach lesen sollte.

Präsentation

Die BluRay hat nur wenige Extras. Neben dem obligatorischen Trailer gibt es leider nur ein Making-Of von gut zehn Minuten, das vor allem aus kurzen Interview-Schnipseln und einigen Eindrücken vom Set besteht.
Schade, hier hätte ich mir mehr erhofft.

Zusatzmaterial: Soundtrack

Bereits im Kino fiel mir die überaus gelungene Filmmusik von Mark Sayfritz auf, so dass ich mir im Anschluss an den Film den Soundtrack besorgen musste.
Der Komponist ist mir bislang nicht aufgefallen, obwohl er bereits Filme mit Halle Berry, Jennifer Lawrence  und anderen mit Musik versorgt hat.
Auf jeden Fall hat er mit Abattoir eine starke Visitenkarte abgegeben. Es gibt keinen eindeutigen Stil bei diesem Soundtrack, der mal mit horror-typischen Streichern und Bläsern, mal mit fast atonalen Elektronik-Spielereien arbeitet. In manchen Momenten lugt Vangelis um die Ecke, dann wieder John Carpenter, und gelegentlich findet sich auch eine Sound-Collage mit eingestreuten Stimmenschnipseln.
Einige Themen hätte ich mir zum Hören etwas länger ausgespielt gewünscht, aber im Film entfaltet die Musik bisweilen eine fast hypnotische Wirkung.

Fazit

Abattoir baut trotz seines blutrünstigen Namens eher eine Gruselgeschichte mit modernen Elementen auf, als dass es sich um eine Gewaltorgie handelt.
Der Einstieg ist für einen Film dieses Genres noch angemessen blutig, im weiteren Verlauf wird jedoch eher ein gelungenes Geheimnis aufgebaut.
Der Film wartet dabei mit klassischen Bildern auf, die jedoch in ihrer Art immer wieder zu gefallen wissen, vor allem, da sie mit sehr viel Stilgefühl und Atmosphäre inszeniert werden. Vor allem die Darstellung der Stadt New English hat einen angenehm surrealen Touch, der den Ort irgendwo zwischen Twin Peaks und Silent Hill verortet.
Die Auflösung bleibt im Rahmen des Plots durchaus logisch (ohne allzu vorhersehbar zu sein) und führt sich nicht selbst ad absurdum. Die finalen Szenen werden dann jedoch, obwohl sie extrem stimmungsvoll beginnen, etwas überstrapaziert, so dass sie manchmal eher einer Geisterbahn entstammen als einer bizarren Horrorwelt.

Die Schauspieler bieten bei all dem eine durchweg solide, wenn auch vielleicht nicht immer oscarreife Leistung.
Insgesamt bietet Abattoir somit einen gelungenen Mix aus Horror-, Grusel- und Thriller-Elementen, den ich jedem ans Herz legen möchte, der sich von wohligem Grusel angesprochen fühlt.

Hinweis:
Die Rezension erfolgt anhand von selbst gekauften Exemplaren von BluRay, Comic und Soundtrack.
 

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