Und an welchem Tag des Jahres kann man den Schrecken besser feiern als an Halloween?
Von daher möchten Kaid und ich dich heute in die Nacht hinein begleiten mit einer Unterhaltung darüber, was Horror zu so einem faszinierenden Genre macht.
Außerdem erzählen wir dir, welche Bücher, Filme und Rollenspiele uns besonders begeistert haben.
Vielleicht ist ja auch das eine oder andere für dich dabei (die entsprechenden Links, und zwar jede Menge davon, findest du unter dem Podcast).
Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß bei der neusten Folge von Sandfox plaudert:
Das Fantasy Filmfest ist immer wieder ein Quelle der Lebensfreude für den Horror-Fan (oder ist das in diesem Fall vielleicht eher Todesfreude?).
2016 war mein Einstieg in das fröhliche Film-Gemetzel Abattoir (übersetzt "Schlachthaus"), der seit Anfang Oktober auch hierzulande als BluRay-Premiere erhältlich ist und nun endlich auch den Weg in meinen Player gefunden hat.
Inhalt
Julia Talben steckt in einem langweiligen Job als Immobilien-Journalistin fest. Doch ihr ödes Leben endet jäh, als die
Familie ihrer Schwester grausam ermordet wird. Der geständige Mörder
wird noch am Tatort festgenommen, doch auf die Gründe für seine Tat
angesprochen, meint er nur, er habe getan, was getan werden musste.
Zusammen mit ihrem Freund, dem Polizisten Grady, will Julia nun herausfinden, warum ihre Schwester sterben musste. Doch als die beiden den Tatort nochmals aufsuchen wollen, stellen sie
nicht nur fest, dass das Haus bereits weniger als eine Woche nach der Tat an einen geheimnisvollen Mann
namens Jebediah Crone verklauft wurde, sondern auch, dass das
komplette Zimmer, in dem die Tat geschah, aus dem Gebäude entfernt wurde!
Weitere Nachforschungen ergeben, dass dies bereits mit vielen anderen Tatorten geschehen ist, die Crone gekauft hat. Die Spur des Mannes führt in die bizarre Kleinstadt New English, die ein düsteres Geheimnis birgt.
Hintergrund
Regisseur Darren Lynn Bousman ist mir in der Vergangenheit nur
als Regisseur von SAW 2 bis 4 begegnet (was in meinen Augen nicht
gerade die beste Empfehlung darstellt), aber die Prämisse dieses Films
klang interessant genug, um ihm doch noch eine Chance zu geben.
Eine Recherche im Internet ergab, dass der Regisseur schon seit 2009 an der eigenwilligen Geschichte arbeitet, zunächst in Form eines Comics, dann auch als Film.
Ein Prequel unter dem Titel The Dwelling soll bereits in Planung sein.
Vorlage
Der Film Abattoir basiert auf der gleichnamigen sechsteiligen Graphic Novel, die in den USA bei Radical Publishing erschienen ist.
Das eigentliche Konzept des Comics basiert auf Ideen von Darren Lynn Bousman, doch er überließ die Ausgestaltung des Projekts den beiden Autoren Troy Peteri and Rob Levin sowie dem Zeichner Bing Cansino.
Die Geschichte dreht sich um einen Immobilienmakler namens Richard Ashwalt, der ein Haus verkaufen soll, in dem ein schreckliches Massaker stattgefunden hat. Doch als ein geheimnisvoller Mann namens Jebediah Crone auftaucht und einen absurd hohen Preis für das Gebäude bietet, weigert der Makler sich, das Haus abzugeben, da er Crone nicht traut. Doch diese Weigerung lässt ihn tief in eine Welt aus Bedrohnung und Wahnsinn stürzen, aus der er sich möglicherweise nicht mehr befreien kann.
Wie man bereits sieht, die Geschichte der Graphic Novel hat wenig mit dem späteren Film zu tun. Tatsächlich stellt sie eher eine Art Prequel dar, so dass sie auch für denjenigen geeignet ist, der den Film bereits kennt.
Andererseits enthält sie allerdings einige Spoiler für den Film, so dass man sie vielleicht erst danach lesen sollte.
Präsentation
Die BluRay hat nur wenige Extras. Neben dem obligatorischen Trailer gibt es leider nur ein Making-Of von gut zehn Minuten, das vor allem aus kurzen Interview-Schnipseln und einigen Eindrücken vom Set besteht.
Schade, hier hätte ich mir mehr erhofft.
Zusatzmaterial: Soundtrack
Bereits im Kino fiel mir die überaus gelungene Filmmusik von Mark Sayfritz auf, so dass ich mir im Anschluss an den Film den Soundtrack besorgen musste.
Der Komponist ist mir bislang nicht aufgefallen, obwohl er bereits Filme mit Halle Berry, Jennifer Lawrence und anderen mit Musik versorgt hat.
Auf jeden Fall hat er mit Abattoir eine starke Visitenkarte abgegeben. Es gibt keinen eindeutigen Stil bei diesem Soundtrack, der mal mit horror-typischen Streichern und Bläsern, mal mit fast atonalen Elektronik-Spielereien arbeitet. In manchen Momenten lugt Vangelis um die Ecke, dann wieder John Carpenter, und gelegentlich findet sich auch eine Sound-Collage mit eingestreuten Stimmenschnipseln.
Einige Themen hätte ich mir zum Hören etwas länger ausgespielt gewünscht, aber im Film entfaltet die Musik bisweilen eine fast hypnotische Wirkung.
Fazit
Abattoir baut trotz seines blutrünstigen Namens eher
eine Gruselgeschichte mit modernen Elementen auf, als dass es
sich um eine Gewaltorgie handelt.
Der Einstieg ist für einen Film dieses Genres noch angemessen blutig, im
weiteren Verlauf wird jedoch eher ein gelungenes Geheimnis aufgebaut.
Der
Film wartet dabei mit klassischen Bildern auf, die jedoch in ihrer Art immer
wieder zu gefallen wissen, vor allem, da sie mit sehr viel Stilgefühl
und Atmosphäre inszeniert werden. Vor allem die Darstellung der Stadt New English hat einen angenehm
surrealen Touch, der den Ort irgendwo zwischen Twin
Peaks und Silent Hill verortet.
Die
Auflösung bleibt im Rahmen des Plots durchaus logisch (ohne allzu
vorhersehbar zu sein) und führt sich nicht selbst ad absurdum. Die finalen Szenen werden dann jedoch, obwohl sie extrem stimmungsvoll
beginnen, etwas überstrapaziert, so dass sie manchmal eher einer
Geisterbahn entstammen als einer bizarren Horrorwelt.
Die Schauspieler bieten bei all dem eine durchweg solide, wenn auch vielleicht nicht immer oscarreife Leistung.
Insgesamt bietet Abattoir somit einen gelungenen Mix aus Horror-, Grusel- und Thriller-Elementen, den ich jedem ans Herz legen möchte, der sich von wohligem Grusel angesprochen fühlt.
Hinweis: Die Rezension erfolgt anhand von selbst gekauften Exemplaren von BluRay, Comic und Soundtrack.