Dienstag, 24. September 2019

Lovecraftesque - Zug 12 - Oben am Berg


Fortsetzung der Erzählung von nurderTim (Übersicht unter Lovecraftesque - Das Blogspiel)

Oben am Berg

Interview auf Vorarlberg Online mit dem Bergbauern Alois Klinger, Tschagguns


Alois Klinger war ein Zeuge der Ereignisse, die zur unerklärlichen Zerstörung der Mittagsspitze geführt haben. Als unsere Reporterin Valentina Gruber ihn antraf, erholte er sich gerade von seinen Erlebnissen im Krankenhaus St. Vincenz in Zams.
Herr Klinger, Sie sind Landwirt in Tschagguns?

Ja, mein Hof ist unten in der Gemeinde selbst, mit Fremdenzimmer und Landgastronomie, aber die Weiden für die Tiere sind auch oben am Berg, vor allem unterhalb der Mittagsspitze, wo die Kühe das beste Gras finden.

Sie haben also die Ereignisse um die Mittagsspitze verfolgt?

Ja, ich war oben auf den Weiden, als das ganze Schlamassel losging. War sowieso schon ein seltsamer Tag gewesen, mit dem Nebel da oben, so ein dicker Nebel, wie ich ihn noch nie erlebt habe, und dann war die Feuerwehr da oben, und es waren eine Menge Leute da, die ich noch nie gesehen hatte... seltsamer Tag, ja... 

Und was haben Sie dann gesehen?

Na ja, gesehen erstmal gar nichts. Da war nur dieses Rumpeln unter der Erde, wissen Sie, ein Vibrieren, wie bei so einem Massagesessel. 
Ich dachte erst, das sei ein Erdbeben, aber hier oben in den Bergen gibt's eigentlich keine Erdbeben. Ich habe dann den Boden berührt, und meine Hände und Arme, mein ganzer Körper vibrierte auf einmal, das tat richtig weh. Um mich herum starben die Pflanzen ab, einige wurden mitsamt ihren Wurzeln aus dem Boden gerüttelt, als schiebe etwas von unten hoch ... oder als wollten sie nicht in diesem Boden bleiben.
Haben Sie die Weiden auf dem Berg gesehen?

Nein, warum? Was war damit?

Die sind völlig hinüber, da hat keine Pflanze überlebt. Sogar die Grashalme lagen nachher einfach auf dem Boden, mit den Wurzeln noch dran, allesamt gelb und tot.
Aber damit hat es doch nicht geendet, Herr Klinger, oder?

Nein, sonst wäre die Mittagsspitze ja noch da. Das Rumpeln kam von oben, merkte ich irgendwann, und ich sah hinauf, und da waren diese Nebel, aber sie waren keine Nebel mehr. Sie waren wie Fühler von einem Insekt, die aus dem Berg hinauswuchsen und in der Luft herumtasteten, als suchten sie irgendwas. Keine Ahnung, was das war ...

Herr Klinger, Sie wissen schon, dass sich das ein wenig seltsam anhört?

Ist mir egal, wie sich das anhört. Ich weiß, was ich gesehen habe.
Und da flogen diese Steine herum, oben am Berg, und sie kreisten um den Gipfel, wie in einem Tornado, dabei ging kein Lüftchen!

Sie meinen, die Steine wurden weggeschleudert und flogen auf Sie zu?

Nein, verdammt, hören Sie denn nicht zu? Die haben in der Luft gekreist, immer gekreist. Oben am Gipfel, und darunter, mindestens 200 Meter weit. Einige waren so groß wie ein Haus, oder ein Auto, aber sie bleiben trotzdem in der Luft, einfach so. Nur wenn sie mit den Fühlern zusammenstießen, dann platzten sie einfach, BÄNG, BÄNG, BÄNG! Und die Trümmer kreisten dann immer noch weiter.

Was für Steine waren das, ich meine, wo kamen sie her?

Das war die Mittagsspitze. Sie löste sich auf, oder die Fühler haben sie zerlegt, was weiß ich? Und je weiter das ging, desto weniger blieb von dem Berg, und umso mehr Steine flogen durch die Luft.
Doch das Schlimmste, das war diese Musik, die von den Fühlern ausging, die sich an den Bergen brach. Ich konnte sie hören, aber sie tat weh, in meinem Kopf, in meinem Geist. Ich habe versucht, sie loszuwerden. Ich habe mir den Schlüssel vom Trecker in die Ohren gestoßen, ganz tief, bis ich nichts mehr gehört habe.
Sehen Sie? Hier, unter dem Verband. Die Ärzte haben gesagt, sie können alles wieder in Ordnung bringen, aber wenn die Musik wiederkommt ... 

Anmerkung der Redaktion:
Wir haben in der Redaktion diskutiert, ob wir dieses Interview veröffentlichen sollten, haben uns dann trotz der offensichtlichen geistigen Verwirrung des Patienten dafür entschieden, da er scheinbar der einzige Zeuge des Untergangs der Mittagsspitze war.

Das Blogspiel geht weiter bei ... 

Von der Seifenkiste herab ...


Das Bild zum Artikel stammt von Pexels, auf der Website Pixabay

Mittwoch, 18. September 2019

HÖRMICH 2019 - Hannover hört hin

Ich bin seit meiner Kindheit ein Fan von Hörspielen. Hui Buh, Commander Perkins und Winnetou haben mich über viele Jahre begleitet und auch meine Eltern immer wieder am frühen Sonntagmorgen erfreut... oft in ohrenbetäubender Lautstärke.
Später kamen dann noch Hörbücher dazu, als praktikable Alternative in einer Zeit, in der ich nur selten zum Lesen komme.
Von daher hätte ich eigentlich schon lange zur HÖRMICH fahren müssen, der meines Wissens einzigen Convention/Messe mit diesem Schwerpunkt.
Seit 2013 laden die Veranstalter zu diesem eintägigen Event in das Herz Hannovers ein, in diesem Jahr zusammen mit den Partnern Pop.de, dem Ronin Hörverlag, Radio Hannover und dem Kulturzentrum Pavillon. 40 Aussteller und ein ganztägiges Bühnenprogramm sollen außerdem dafür sorgen, dass die Fans genug zu tun haben.


Der erste Eindruck

Nach einer längeren Bahnfahrt aus dem Rheinland konnte ich den Pavillon vom Hauptbahnhof aus innerhalb weniger Minuten erreichen.
Obwohl die Veranstaltung offiziell erst um 11:00 Uhr startete, war es doch schon um 10:50 Uhr möglich, ins Innere zu gelangen. Und das hatten auch schon viele Leute getan, denn es war bereits rappelvoll.
Auffällig war sofort der hohe Anteil an Blinden und Sehbehinderten, die man wohl auf einer solchen Veranstaltung erwarten konnte. Es gab aber auch viele Rollstuhlfahrer, die einem jedoch teilweise leidtaten, da es doch verflucht eng zuging.
Nach kurzer Zeit war ich fast so weit, dass ich schnell noch ein paar CDs an mich raffen und die Flucht ergreifen wollte, doch zum Glück blieb ich dann doch vor Ort.

Location und Aussteller

Eine erste Runde durch den Veranstaltungsort zeigte, dass dieser kleiner als erwartet war. Das Foyer des Pavillons und ein Raum von der Größe eines typischen Gemeindesaals boten den Ausstellern gerade noch genug Platz für ihre Tische. Oft genug hing man in einem schmalen Gang fest, weil sich andere Besucher darin unterhielten und so den Weg verstopften.
Zwei kleinere Nebenräume waren von Northern Outpost, einer Hannoveraner Gruppe von Star-Wars-Fans mit teilweise hervorragenden Outfits, einer Ghostbusters-Truppe und einem Sonderbereich für "Masters of the Universe"-Anhänger belegt.
Der große Saal, in dem sich das Bühnen- und Abendprogramm abspielte, war dann aber deutlich größer und mit einigen Hundert Sitzplätzen ausgestattet.
Eine Runde durch die Veranstaltung, bei der man an jedem Stand vorbeikam, war also in einer guten halben Stunde zu schaffen, doch natürlich ging es nicht darum.
Der unbedarfte Erstbesucher (so wie ich einer war) traf hier an jeder Ecke auf einen ihm unbekannten Hörspiel-Produzenten. Hier waren nicht die Giganten der Szene wie Europa, Maritim, Folgenreich oder Audible vor Ort; hier fand man vom Ein-Mann-Projekt bis hin zum mittelgroßen Label die "Kleinen", die Leute, die gemeinhin mit viel Elan und aus der Liebe für das Produkt "Hörspiel" oder "Hörbuch" heraus agieren, ohne dass dabei die Qualität auf der Strecke bleibt.
An dieser Stelle möchte ich darum eine zugegebenermaßen extrem verkürzte und ebenso persönlich gefärbte Liste der Aussteller in alphabetischer Reihenfolge präsentieren (ich weiß, dass ich einige interessante Labels bestimmt vergessen habe und entschuldige mich jetzt schon bei den Betroffenen):
  • Bei Anomalia handelte es sich um ein Science-Fiction-Hörspiel über Jugendliche, die durch Parallelwelten reisen.
  • DreamLand Productions traten unter anderem mit ihren Reihen Dreamland Grusel und Tony Ballard sowie dem herrlich absurden Action-Hörspiel Miami Boys auf
  • Hoerspielprojekt.de bieten kostenlose Hörspiele, die man hier ausnahmsweise gegen eine freiwillige Spende auf CD erwerben konnte.
  • Lindenblatt Records hatten unter anderem die Vorpremiere von Tyrann aus der Tiefe, der zweiten Folge von Wolfgang Hohlbeins Der Hexer von Salem, zu bieten.
  • Ohrenkneifer boten neben ihrem Back-Katalog die Neuheit Der letzte Tag der Schöpfung und am Abend ein spontanes Akustik-Konzert am Stand, außerdem erhielten sie für ihre Hörspiele Roch und Die 5 von Terra den Preis als bestes Hörspiel 2018 vom Forum Hörspieltalk
  • Der  PIDAX – Film- & Hörspielverlag bot eine kaum übersehbare Masse an Radio-Hörspielen auf mp3-CD.
  • Pop.de – Dein Hörspiel-Shop hatte teilweise grandiose Angebote für den Fan zu bieten.
  • Mit der TOS Hörfabrik stellte sich außerdem noch ein Verlag mit interessantem Hintergrund vor, denn die Macher sind bekennende Christen und wollen ihren Glauben auch in ihre Produkte einfließen lassen.
Angenehm fiel dabei auf, dass praktisch jeder Stand auch gerne bereit war, sich mit den Kunden zu unterhalten. Da wurden stundenlang Hörspiele, Inhalte und Produktionsweisen erklärt, es wurde wild über die Qualität der einzelnen Folgen diskutiert, und so mancher hoffnungsvolle Autor, Zeichner oder Sprecher wurde bei den Verlagen vorstellig.
Wem bei all dem der Hunger oder Durst packte oder wer für ein längeres Gespräch einen besseren Rahmen suchte, für den war ebenfalls gesorgt. Neben der kleinen Theke im Pavillon selbst gab es noch das im gleichen Gebäude liegende Café Mezzo, das mit einem schmackhaften Angebot vom Frühstück (bis 16:00 Uhr!) über Kaffee und Kuchen bis hin zum vollwertigen Essen zu absolut angemessenen Preisen aufwarten konnte.

Das Bühnenprogramm

Um 11:00 Uhr startete mit der offiziellen Eröffnung der Veranstaltung das Bühnenprogramm im Großen Saal, der eigentlich eher ein Theater mit erhöhten Sitzreihen war. Wer hier einem längeren Programmpunkt beiwohnte, merkte bald, dass die Sitzplätze (die irgendwie an ein Stadion erinnerten) auf Dauer erschreckend unbequem wurden. Dies wurde besonders am Abend deutlich, als das Abendprogramm den eigenen Hintern fast zwei Stunden auf diesen Platz fesselte.
Im Laufe des Tages gab es hier mit jeweils nur 15 Minuten Pause Programmpunkte vom Live-Hörspiel über die Podiumsdiskussion bis zur launigen Weltmeisterschaft im Bleistift-Kassetten-Spulen (eine Disziplin, die wohl nur Leuten etwas sagt, die mit dem Haupttonträger der Achtziger groß geworden sind).
Ich selbst war vor allem zu den Diskussionsrunden bzw. Präsentationen anwesend, und es war interessant, wie viel man hier über die Produktion von Hörspielen, aber auch über die Gedanken der Macher erfuhr. Ich habe auf jeden Fall zu einigen Leuten und ihren Labels ein ganz anderes Verhältnis entwickelt und einige interessante Dinge aufgetan, über die ich sicherlich noch berichten werde.

Das Abendprogramm

Nach einer abendlichen Pause von 90 Minuten, die ich mit einem gemütlichen Essen im bereits erwähnten Café Mezzo und einem Besuch in meinem Hotel verbrachte, begann das Abendprogramm. Dieses war übrigens nicht Teil des eigentlichen Eintrittspreises, sondern konnte für 10,00 € separat besucht oder in einem preisgünstigen Kombi-Ticket gebucht werden.
Das Live-Hörspiel Nicci & Vicci und das Karpatenkalb, präsentiert von der Truppe des hr2-RadioLiveTheaters, stand auf dem Programm.
Und OH MEIN GOTT, war das eine teilweise schon schmerzhafte Ansammlung von 80er-Jahre- und Hörspiel-Anspielungen und Kalauern! Und ein Heidenspaß!
Schon der erste Einspieler, in dem die drei Fragezeichen (oder zumindest deren Sprecher) einen Zugüberfall durchführten, zeigte, dass hier mit viel Liebe zum Detail, aber auch Sinn für Unsinn vorgegangen wurde.
Und die nun folgende Musical-Nummer, in der die beiden Hauptpersonen Nicci & Vicci ihre eigene Titelmelodie darboten, zeigte den Weg, den die Ereignisse in den folgenden knapp zwei Stunden nehmen würden.
Viel überbordende Komik, immer wieder eingestreute Musik- und Tanz-Nummern, absurde Pseudo-Kostüme, um die Charaktere zu unterscheiden, und nicht zuletzt bekannte Gast-Stimmen wie Santiago "Spongebob" Ziesmer und Hans-Georg Panczak (die deutsche Stimme von Luke Skywalker) machten den Auftritt des hr2-RadioLiveTheaters zu einem Vergnügen für diejenigen Anwesenden, die bereit waren, sich auf das verrückte Spiel mit dem Hörspiel einzulassen.
Einige entspannte Gespräche im Foyer mit verschiedenen Leuten, die ich im Laufe des Tages kennengelernt hatte, beendeten einen ereignisreichen Tag.

Fazit

Obwohl auf der HÖRMICH viele Stände und Labels hervorragende Angebote machten, ist dies keine Veranstaltung, die man anfährt, um Angebote abzugrasen. Dafür ist der Eintrittspreis mit 10,00 € zu hoch, vor allem, wenn man noch eine längere Anfahrt und möglicherweise eine Hotelübernachtung mit einrechnet. Selbst das Kombiticket inklusive des Abendprogramms für 15,00 € reißt es da nicht raus.
Nein, die HÖRMICH ist eine Veranstaltung für Menschen, die das Medium Hörspiel oder auch Hörbuch lieben und sich auch dafür interessieren, wie es hinter den Kulissen aussieht, die das Bühnenprogramm mitnehmen und sich mit den Machern hinter den CDs unterhalten wollen.
Und wenn man dann schon mal da ist, kann man auch all die günstigen Angebote einsacken und dann später versuchen, die riesige Tüte mit der Messe-Beute an der Ehefrau vorbei zu schummeln ("Was? Das? Äh... schmutzige Wäsche, Schatz, sonst nichts... wie, ich soll das auspacken? Och Menno...").
Vor der Veranstaltung hieß es übrigens, es handele sich um die letzte HÖRMICH in der vorliegenden Form, doch zum Glück haben sich die Macher eines anderen besonnen und wollen beim bisherigen Format bleiben, wenn auch möglicherweise an einem anderen Veranstaltungsort.
Und auch wenn ich als NICHT-Fan von TKKG und den Drei ??? scheinbar ein seltsamer und oft bestaunter Exot in diesem Umfeld bin, kann ich nur sagen: Haltet mir bitte einen Platz auf der nächsten Veranstaltung frei!

Samstag, 24. August 2019

Niederrhein-Con 2019 - Der kleine Phönix aus der Insolvenz-Asche



Die Eulen-Con (ausgerichtet vom Uhrwerk-Verlag und der Brettspielkiste Dinslaken in Wesel, also quasi am Rande sowohl des Ruhrgebiets als auch des Rheinlands) sollte im August eine Alternative für diejenigen Rollenspieler bieten, denen der Weg zur RatCon nach Limburg zu weit war oder die nicht nur Interesse an Ulisses-Produkten hatten.
Neben Uhrwerk hatten auch andere Verlage wie System Matters und die Redaktion Phantastik schon früh ihre Teilnahme zugesagt, um dem Neuling auf der Con-Szene zum Erfolg zu verhelfen.
Doch nicht einmal drei Monate vor der Veranstaltung schlug die grausame Wirklichkeit zu.

Der Uhrwerk-Verlag meldet Insolvenz an

Aus heiterem Himmel schlug am 4. Juni 2019 die Nachricht in der Szene ein, dass der Uhrwerk-Verlag einen Antrag auf Insolvenz einreichen musste (siehe hier). Die Eulen-Con (recht offensichtlich nach dem Maskottchen der Uhrwerker benannt) schien geplatzt, denn unter diesen Bedingungen war bestimmt kein Geld vorhanden, um eine solche Veranstaltung durchzuführen.
Doch hinter den Kulissen begann sofort eine hektische Betriebsamkeit. Aussteller und andere Szenemenschen begannen mit dem jetzt alleingelassenen Veranstalter Markus Pomorin zu diskutieren, wie man die Con retten könnte. Ideen wurden hin und her geworfen, viele Leute boten ihre Hilfe an, Verlage und andere Aussteller sagten schon vorab für Stände auf einer eventuellen neuen Con zu, und auf der NordCon gab es endlich Gewissheit: es würde weiter gehen, wenn auch unter neuem Namen.
Die Niederrhein-Con war geboren und würde wie geplant vom 16. bis 18. August stattfinden.

Location und Aussteller

Die Niederrhein-Con fand in der Niederrhein-Halle in Wesel, einer zwar in die Jahre gekommenen, aber immer noch präsentablen Mehrzweckhalle. Die vorhandenen Plakate vor Ort zeigten denn auch, wer sich hier von Bands wie Brings über Künstler wie Torsten Sträter bis hin zu den Besuchern des Weseler Oktoberfests in nächster Zeit tummeln würde.
Einige alte Säcke ... äh... Recken kennen das Gebäude vielleicht noch als Veranstaltungsort der seligen DUZI (der "Duisburger Zinnfigurenbörse"), die trotz ihres Namens viele Jahre lang nicht in Duisburg, sondern hier stattfand.
Angenehm fiel für mich schon mal der große, kostenlose Parkplatz auf, der meine Reisekutsche in bequemer Laufentfernung von der Halle aufnahm. Einlass war Freitag ab 18:00 Uhr, 48 Stunden später endete die Veranstaltung. Wer wollte, konnte in den beiden Nächten der Convention auf dem Gelände zelten (was angesichts des Dauerregens sicher nicht angenehm war), eine Übernachtung in der Halle war jedoch nicht möglich.
In der großen Haupthalle, die man durch den Haupteingang betrat, befanden sich die meisten Stände. Neben Läden, Zeichnern und anderen Künstlern und Handwerkern waren dies vor allem kleinere und mittelgroße Verlage der Szene, und ich möchte mich schon jetzt entschuldigen, weil ich bestimmt jemanden vergessen habe:
Angenehm für Besucher wie Aussteller war, dass praktisch neben jedem Stand ein eigener Spieltisch vorhanden war. Wer darüber hinaus eine Runde anbieten wollte, konnte auf einige freie Spieltische in der Halle, vor allem aber auf die Empore ausweichen, die rund um den Saal lief. Dazu kamen noch verschiedene größere und kleinere Nebenräume, die für Workshops, Turniere usw. genutzt wurden. Einige Besucher beschwerten sich später über die Lautstärke in der Halle, aber es war eigentlich nicht lauter, als man es von anderen Conventions in einer solchen Umgebung (wie die FeenCon in der Stadthalle Bonn-Bad-Godesberg) gewohnt ist.
Das Orga-Team funktionierte schnell, effizient und freundlich, und wenn es wirklich mal ein Problem gab, wurde dies meistens schnell gelöst (ein Spieler im Rollstuhl wurde dann auch mal auf die Empore getragen). Im Allgemeinen lief alles sehr rund, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Orga gerade mal zwei Monate Zeit gehabt hatte, um alles vorzubereiten.
Das Catering der Halle versorgte die Anwesenden mit einfachen, aber schmackhaften Speisen und einem angemessenen Imbiss-Angebot zu erschwinglichen Preisen und wurde durch die Bank gelobt. Nur bei den Getränken musste man - wie üblich bei solchen Veranstaltungen - etwas tiefer in die Tasche greifen oder sich privat versorgen (es fanden keine Taschenkontrollen oder ähnliches statt).
Wer übrigens eine der 70 Con-Tassen ergattern konnte, die am Samstag gegen Mittag ausverkauft waren, hatte für 15 Euro nicht nur ein Erinnerungsstück in der Hand, sondern auch Zugriff auf eine Kaffee- und Tee-Flatrate für alle Tage der Veranstaltung.

Was gab es zu tun?

Natürlich bot jeder der anwesenden Verlage Proberunden seiner eigenen Spiele an, somit wurden alle oben aufgeführten Systeme auch bespielt. New Hongkong Story lief ganze viermal, und Seelenfänger wurde wegen der großen Nachfrage noch einmal ganz spontan gezockt (vielen Dank an Oliver Kersting für die Runde auf Zuruf).
Für besonderes Aufsehen (oder eher Aufhorchen) sorgte der Gong von System Matters, der jedes Mal ertönte, wenn bei einer Runde Dungeon Crawl Classic einer der Charaktere dem Spielsystem erlag.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag lief eine zwölfstündige Mini-Kampagne Star Trek Adventures (sicherlich die längste Spielrunde der Convention), man konnte Brettspiele ausleihen und Tabletops ausprobieren, und es fanden sich neben den Verlagsrunden auch noch Spieler für HeXXen 1733, FATE und einiges mehr.
Vor allem aber konnte man sich schön gemütlich mit den anwesenden Verlagsleuten unterhalten, Neuigkeiten erfahren, neue Projekte planen oder einfach ein bisschen kuscheln (siehe oben). Es herrschte eine gemütliche, wenig hektische Atmosphäre vor, welche die ganze Veranstaltung einfach zu einem angenehmen Ort machte. Und wenn man die anwesenden Verlagsleute kannte, konnte es einem (so wie mir) auch mal passieren, dass man zwischendurch kurz Standdienst schob, wenn gerade Not am Mann war.

Die Folgen

Am Samstagnachmittag war klar: das Risiko hatte sich gelohnt!
Markus Pomorin konnte mit Freude berichten, dass die Convention ihre Kosten wieder eingespielt hatte, und schon am Sonntag wurde der Termin für die Niederrhein-Con 2020 präsentiert, nämlich der 21. bis 23. August 2020 (siehe auch hier). Diese soll noch mehr Vielfalt bieten und für alle Rollenspieler, Tabletopper und Gesellschaftsspieler etwas zu bieten haben.
Insgesamt hatten im ersten Jahr 431 Besucher den Weg nach Wesel angetreten, dazu kamen noch 126 Mitarbeiter der Orga und der verschiedenen Aussteller. Damit war die Veranstaltung natürlich nicht gerade überfüllt, doch die allgemeine Stimmung unter den Veranstaltern und Ausstellern lässt darauf hoffen, dass man mit etwas mehr Werbung im Vorfeld und vor allem mehr Vorbereitungszeit mehr Gäste anlocken kann.
Die Location kann auf jeden Fall auch größere Besucherzahlen verkraften, und es gibt auch mehr als genug interessierte Aussteller, um eine interessante Convention auszurichten.
Von daher, wir sehen uns 2020 wieder, Wesel!


Das Innenfoto der Halle und das Foto von mir wurden zur Verfügung gestellt 
von Aşkın Hayat Doğan, nachdem meine eigene Kamera versagt hat.

Samstag, 3. August 2019

Lovecraftesque - Zug 8 - Die Ankunft des Vollenders


Fortsetzung der Erzählung von nurderTim (Übersicht unter Lovecraftesque - Das Blogspiel)

Die Ankunft des Vollenders

Transkript einer beschädigten Audio-Datei in einem verborgenen Ordner auf Raphael Duchamps Handy


[unverständlich]

Noch nie war ein Rufer so stark, so nah dem Klang der Felsen. So nah dem Hunger.
Er brauchte die Einsamkeit, um so stark zu werden. 
Der Narr ist verschwunden, der Unwissende geflohen, doch der Rufer ist geblieben.

Ich spüre seinen Gesang. 
Ich höre ihn nicht nur, ich fühle ihn mit Sinnen, die kein Wesen dieser Zeit noch kennt oder versteht. Und er rührt etwas in meinem Innersten, erweckt Kräfte und Gefühle in mir, die seit Jahrmillionen verloren schienen.

[unverständlich]

Ich gleite aus dem grünen Nebel heraus, bewege ihn mit meinen unsichtbaren Schwingen, doch niemand ist da, es zu sehen.
Nur der Rufer könnte wahrnehmen, was ich tue. Doch sein Geist ist nicht bei mir, sein Geist ist beim Vollender, bei seiner Stimme, die nur für ihn ertönt. Selbst ich kann sie nicht hören, doch ich weiß, was sie ihm sagt, so wie ich weiß, was geschehen wird.
Ein Zyklus endet, ein neuer beginnt.
Ich treibe dahin im Klang des Rufers, aale mich im Licht der Unendlichkeit, das durch die Decke strahlt.
Der Rufer hält es für den Mond ... doch das ist nicht wahr. Sein Verstand ist nur zu klein, zu begrenzt, um zu verstehen.
Ich hingegen erfasse die Unendlichkeit, vom Anfang bis zum Ende, in jedem Kreis von neuem, in allen Welten und Wirklichkeiten, zugleich und doch über alle Zeiten.
Ich beobachte. Das ist meine Aufgabe, seit vielen, vielen Äonen. Doch wer beobachtet, der lernt auch.

[unverständlich]

Der Fels beginnt sich zu regen, noch bevor der Gesang ertönt. Etwas steigt darin empor. Eine Macht, ein Leben ohne Tod, ein Ende ohne Anfang.
Dann ertönt die Stimme des Rufers, der Gesang, der verheißen war, so klar durch alle Welten, dass das Universum in sich erzittert. 
Wenn der Fels dann singt,
der Beobachter nicht mehr schweigt,
der Vollender Zeit und Raum verschlingt,
wird das Mahl sich einverleibt.

Wie Wasser wogt der Boden der Höhle, und aus dem Geysir flüssigen und doch festen Steins erhebt sich der Vollender.
Er ist selbst mir unbegreiflich in all seiner Erhabenheit, in all seinem Hunger.
Wie muss er dann erst auf den Rufer wirken?
Ich blicke auf die Spuren seiner peitschenden Arme, wie sie den Fels zerreißen, wie sie schabend über den Boden streifen, der unter ihrer Berührung zerspringt wie Glas. Die Splitter schießen durch die Höhle, treffen den Leib des Rufers, doch er scheint es nicht einmal zu spüren in diesem Moment.
Seine Stimme erstrahlt noch mehr, und das Licht, das von ihm ausgeht, ist fast heller als das Leuchten der Unendlichkeit.
Und zum ersten Mal seit Anbeginn der Welten kann ich sprechen, und meine Stimme dröhnt durch die Höhle. 

Es ist Zeit! 
Der Rufer muss sich mit dem Vollender vereinigen! 
Muss sein Innerstes darbieten der Macht, die alles verschlingt!

Das Blogspiel geht weiter bei ... 

Von der Seifenkiste herab ...


Das Bild zum Artikel stammt von Pexels, auf der Website Pixabay