Mittwoch, 15. Januar 2020

Zug um Zug - London - Schnell und eng (Rezension)

2004 begann der Siegeszug von Zug um Zug, des Spiels um den Bau von Bahnlinien aus der Feder von Alan R. Moon. Das Grundspiel wurde in Deutschland Spiel des Jahres und heimste auch international eine Reihe von Preisen ein.
Seitdem sind fünf eigenständige Erweiterungen, neun neue Spielpläne für das Grundspiel und mehrere Varianten wie z. B. ein Kartenspiel erschienen.
2018 begann Days of Wonder mit Zug um Zug - New York eine neue Reihe, nämlich die der Städtespiele. Dabei handelt es sich um eigenständige Versionen des Grundspiels mit verkleinertem Spielplan und reduzierter Spieldauer, die nicht mehr ein ganzes Land, sondern nur noch eine Stadt abdecken sollen.
Sind diese eine valide Alternative zum Klassiker selbst?

Regeln

Die Regeln der neuen Variante sind im Grunde genommen die gleichen wie beim Grundspiel:
Die einzelnen Teilnehmer versuchen auf dem Spielplan, der diesmal das Busnetz von London darstellt, bestimmte Strecken mit ihren Bussen (ja, diesmal keine Züge) zu nutzen und so Verbindungen zwischen zwei Orten zu knüpfen, die auf Zielkarten vorgegeben sind (jeder Spieler erhält am Anfang zwei solche Karten, von denen er eine wieder ablegen darf).

Im eigentlichen Spiel muss man dann zwischen drei möglichen Aktionen pro Zug wählen:
  1. Man zieht Transportkarten, auf denen eins von sieben Fahrzeugen zu sehen ist.
    Dabei stehen dem Spieler entweder fünf offenliegende Karten zur Verfügung, oder er kann eine verdeckte Karte vom Zugstapel sein.
    Eine Besonderheit stellen dabei die vielfarbigen Busse dar; wer einen Bus aus den offenliegenden Karten auswählt, darf nur diese eine Karte ziehen.
  2. Man kann eine der farbigen Strecken auf dem Spielplan nutzen, indem man so viele Transportkarten der passenden Farbe ausspielt, wie die Länge der Strecke beträgt, und die einzelnen Felder jeweils mit Kunststoffbussen aus dem eigenen Vorrat besetzt.
    Bus-Karten gelten dabei als Joker, die für jede Farbe stehen können.
    Jede benutzte Strecke bedeutet Siegpunkte, je nach Länge der Strecke, die man sofort erhält.
    Außerdem sorgt diese Aktion hoffentlich dafür, dass man dem Erfüllen einer Zielkarte näher kommt.
  3. Man darf außerdem zwei weitere Zielkarten ziehen, muss davon jedoch mindestens eine behalten, was sich am Ende rächen kann.
Das Spiel endet, sobald einer der Spieler nur noch zwei Busse in seinem Vorrat hat. Jeder Spieler ist danach noch einmal dran, anschließend kommt es zur Wertung.
Für jede erfüllte Zielkarte bekommt der Teilnehmer noch die aufgedruckte Punktzahl. Allerdings bekommt er auch die entsprechende Zahl an Punkten abgezogen, wenn es ihm nicht gelungen ist, die beiden Endpunkte der angegebenen Strecke zu verbinden.
Letztendlich bekommt er noch zwischen 1 und 5 Bonuspunkte, wenn er alle Haltestellen eines Stadtteils miteinander verbunden hat.
Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel.

Bewertung

Wie bereits erwähnt, hat Zug um Zug - London fast alle Regeln mit dem Grundspiel gemein.
Neu ist wie so oft eigentlich nur die Regel für die abschließenden Bonuspunkte, und diese hat uns bei unseren Probespielen vor einige Unklarheiten gestellt. Alle Haltestellen verbinden klingt zunächst eindeutig, doch muss es sich um eine in sich geschlossene Wegstrecke innerhalb des Stadtteils handeln oder bekommt man diese Bonuspunkte auch, wenn man sich sozusagen "hintenrum" aus einem anderen Stadtteil an die Haltestelle anschleicht? Wir haben uns letztendlich nach einigen Diskussionen auf die letztere Variante geeinigt.
Ansonsten lebt Zug um Zug - London wie viele andere Varianten des Grundspiels vor allem von den Besonderheiten des Spielplans, der diesmal - wie schon bei Zug um Zug - New York - sehr klein und eng ist. Das führt dazu, dass die Partie sehr hektisch verläuft, weil ständig die Angst regiert, dass einem ein anderer Spieler die dringend benötigte Strecke wegschnappt.
Ein weiterer Unterschied ist die drastische Beschränkung der vorhandenen Busse, die es bisweilen fast unmöglich erscheinen lässt, mehr als zwei Zielkarten zu erfüllen; wir haben noch nie so selten Zielkarten nachgezogen wie in diesem Spiel.
Aus diesem Grund sind die Stadtspiele auch glücksabhängiger als die größeren Varianten von Zug um Zug, da die richtige (wertvolle) Zielkarte am Anfang dem jeweiligen Spieler einen großen Vorteil gibt.


Präsentation

Die grafische Darstellung des Spielmaterials ist gewohnt gut.
Besonders gefallen haben uns die Transport-Karten, die das auf der Außenseite transportierte Feeling der farbenfrohen "Swinging Sixties" hervorragend transportieren (wenn dieses auch im Spiel keine wirkliche Rolle spielt).
Auch die Regel (wie schon bei Zug um Zug - New York im Leporello-Format) ist mit seinen vielen Illustrationen und Beispielen sehr gut umgesetzt.
Die kleinen Kunststoffbusse sind dabei ein nettes Gimmick, welches das Thema des Spiels hervorragend unterstützt.

Fazit

Zug um Zug - London ist kein abendfüllendes Spiel, sondern ein leichter Snack für zwischendurch oder eine Möglichkeit, den Abend mal nicht mit einem Karten- oder Würfelspiel einzuleiten oder abzuschließen. Der kleine Spielplan führt zusammen mit dem schnellen, manchmal fast panischen Nutzen der Strecken zu sehr schnellen Partien, die meistens nach einer guten Viertelstunde enden.
Wer noch kein Spiel aus der Familie von Zug um Zug sein eigen nennt, dem würde ich trotzdem dazu raten, sich eine der größeren Varianten zuzulegen, um das Spielprinzip in seiner ganzen Breite und Spieldauer zu erleben.
Ach ja, und wer Zug um Zug generell nicht mag (auch sowas soll es ja geben), der wird auch von Zug um Zug - London nicht eines anderen belehrt werden.
Von daher ganz klar ein Produkt für den Fan, der ein etwas anderes Spielerlebnis mit letztlich bekannten Spielregeln haben möchte.

Produkt-Informationen

Verlag: Days of Wonder (2019)
Autor: Alan R. Moon
Bebilderung: Cyrille Daujean, Julien Delval
Material: 1 Spielplan, 68 Busse, 44 Transport- und 20 Zielkarten, 4 Zählsteine plus Spielregel 
Spieleranzahl: 2-4 ab 8 Jahren 
Spieldauer: 10-20 Minuten
Preis: ca. 24,00 €
Erscheinungsdatum: Oktober 2019


Zug um Zug - London ist überall im normalen Spielwarenhandel erhältlich.

Hinweis:
Die Rezension erfolgt anhand eines Exemplars des Spiels, das freundlicherweise von Asmodée zur Verfügung gestellt wurde.

Dienstag, 7. Januar 2020

2020 - Los geht's!

Das neue Jahr ist jetzt ein paar Tage alt, und wenn man einige Leute fragt, auch das neue Jahrzehnt oder die neue Dekade... aber ist das jetzt ein Neuanfang, das Ende einer Ära, oder geht eigentlich alles weiter wie bisher?
Das sieht sicherlich jeder anders, und das sei auch jedem freigestellt.
Für mich zumindest stellt ein solcher Moment auch eine Gelegenheit dar, über Vergangenes, Aktuelles und Zukünftiges zu reflektieren. Wo komme ich her, wo stehe ich gerade, wo gehe ich hin?
Wenn du mir einen Moment lang auf diesem gedanklichen Weg folgen magst, dann komm, ich nehme dich gerne mit.

Ich könnte euch Sachen erzählen ...

Worüber könnte ich in Bezug auf die Vergangenheit sprechen? 
Soll ich den düsteren Weg durch die Probleme wählen, die mich immer wieder ereilen, so sehr ich mich auch dagegenstemme? Soll ich über Stress und Krankheiten sprechen, über persönliche Probleme mit Menschen, die mich - aus welchen Gründen auch immer - nicht leiden können? Über Streitigkeiten mit Auftraggebern, mit denen ich auf einer kreativen Ebene scheinbar nicht zusammenpasse? 
Das würde uns allzu schnell auf einen düsteren Pfad bringen, der uns letztendlich an einen finsteren Ort führt. Keine gute Idee.

Also suchen wir uns nur die positiven Dinge heraus? Das Gefühl, dass ich langsam, aber sicher immer mehr in meine Rolle als Autor, Podcaster und Blogger hineinwachse? Die Erfolge der letzten Zeit, die schönen Erlebnisse, die positive Verstärkung von Freunden und Kollegen? 
Das wiederum fühlt sich zu einseitig blauäugig an, ändert es doch nichts an allem anderen, was mir so passiert ist.

Nein, letztendlich möchte ich sowohl die positiven und negativen Dinge wahrnehmen, sie gegeneinander abwägen, ebenso wie die vielen anderen Ereignisse, die sich nicht so leicht kategorisieren lassen. Es gibt Momente, Personen und Themen, die ich im Endeffekt einfach ignorieren könnte, da sie mich nicht wirklich betreffen, sondern nur die Leute, die sich an ihnen aufreiben wollen.
Trotzdem kann ich mich eines Rückschlusses nicht entziehen:

Es gibt viel zu tun.

Im Moment bin ich an einem Punkt, wo sich vor mir die Dinge auftürmen, die es zu erledigen gilt.
Rezensionen, die ihrer Fertigstellung harren. Abenteuer und Quellenbücher, die geschrieben werden wollen. Spiele, Regelwerke und Geschichten, bei denen es mich juckt, sie endlich anzugehen.
Und ich muss nun entscheiden, in welcher Reihenfolge ich diese Aufgaben abarbeite, welche ich vielleicht noch ein wenig liegenlasse und welche ich gänzlich von mir weg schiebe.

Wenn ich den Punkt erreiche, an dem ich in einer Woche eigentlich zwei Wochen Arbeit und andere Verpflichtungen hinter mich bringen muss, kommt irgendwann der Moment, an dem ich mir überlegen sollte, ob ein "Muss" vielleicht nur ein "Kann" ist, oder gar ein "Muss nicht".
Welche Person oder welcher Partner ist so bedeutend, dass die Sachen, die ich für sie erledigen will, in den Vordergrund rücken? Welches Projekt muss jetzt und genau JETZT angegangen werden? Und bei wem heißt es "Anfrage angekommen ... Ignorieren eingeleitet"?
Auf Wiedersehen, du warst wohl doch nicht so wichtig...

Ich habe beschlossen, jetzt wird alles besser!

Jawohl, genau das habe ich mir vorgenommen als Ziel für 2020.
Ich möchte mich um die Dinge kümmern, die mir wichtig sind, und ich möchte mich nicht mehr selbst zu Grunde richten, weil ich es irgendjemandem recht machen will, der mir im Grunde genommen egal ist.

Ich möchte nicht mehr für eine wie auch immer geartete "Karriere" Dinge auf mich nehmen, die mir persönlich nichts bringen, und ich möchte lernen, Dinge, die mir eher Probleme bereiten, als dass sie sie gut für mich sind, tatsächlich zu ignorieren.

Ich möchte hingegen mehr für die Personen tun, die mir sympathisch sind oder die mir am Herzen liegen.
Ich möchte mich um Projekte kümmern, die mir etwas bedeuten, auch wenn sie keinen Erfolg versprechen.
Und ich möchte viele spannende Dinge tun, auf die ich nachher mit Stolz zurückblicken kann.

Warum schreibe ich das alles?

Der wichtigste Grund ist natürlich ein ganz persönlicher: ein Text wie dieser hat für mich eine fast schon therapeutische Wirkung, das gebe ich gerne zu.
Ich sortiere in solchen Momenten meine Gedankengänge, bringe die schwirrenden Grübeleien in die richtige Reihenfolge, werde mir plötzlich einiger Dinge bewusst, die ich vorher nicht erkannt habe, und erkenne Ursachen und Wirkungen, die mir vorher so nicht klar waren.

Doch ich bin mir sicher, ich bin nicht der einzige, der sich diesen Gedanken stellen muss. Egal, ob es in meinem privaten oder beruflichen Umfeld ist, ich sehe viele Menschen, denen ich zurufen möchte:
Ja, es funktioniert alles nicht gut, aber trotzdem, oder gerade deswegen, die Zeit für positive Gedanken ist gekommen, für den ersten Schritt aus der Finsternis ins Licht.
Für den Gedanken an sich selbst.

Ist ein Moment wie der Beginn der Zwanziger Jahre nun Grund genug, um sich solchen Überlegungen zu stellen? Oder sind das einfach nur die üblichen guten Vorsätze fürs neue Jahr, die man nach einer Woche wieder vergessen hat?
Das kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Und am Ende des Jahres werden wir wissen, wie viel wir erreicht haben.
Ich bin aber nicht bereit, mir die Hoffnung nehmen zu lassen.

Sonntag, 22. Dezember 2019

Sandfox liest ... Der große Ball des Monsieur Alphonse

Es ist kurz vor Weihnachten, und als kleines Geschenk lese ich dir heute mal wieder etwas vor.

Ich blicke dabei erneut auf die Zeit in der Schreibwerkstatt meiner hiesigen VHS zurück. Nachdem ich mit meinen ersten Werken die Anwesenden etwas schockiert hatte (siehe hier), konnte ich mich danach mit etwas anderen Texten wieder rehabilitieren.

Eine dieser Geschichten basierte (wie ich viel später erfuhr) auf dem Panel einer Graphic Novel zu Franz Kafkas Romanfragment Das Schloss, doch das Bild der nächtlichen Winterstadt mit dem alles überragenden Gebäude auf dem Berg inspirierte mich glücklicherweise zu einem ganz anderen Text.

Und somit präsentiere ich:



Wie im Podcast aufgezählt, findest du mich im Web unter:

Die Titelmusik aus dem Podcast ist der Track Adios von David Szesztay aus dem Album Cinematic Indie, gefunden im Free Music Archive und lizensiert unter Creative Commons License Attribution-NonCommercial 3.0 Unported (CC BY-NC 3.0).
Die Musik zur Geschichte ist der Track Evermore von Kai Engel aus dem Album Sustains, gefunden im Free Music Archive und lizensiert unter Creative Commons License Attribution 4.0 International (CC BY 4.0).

Montag, 16. Dezember 2019

Sandfox spielt ... "Lovecraftesque" - Der Abschluss-Podcast

Der letzte Podcast aus unserer kleinen Reihe zu Lovecraftesque (die Übersicht zum Spiel und zu den einzelnen Beiträgen findest du weiterhin hier).

Nachdem du in der vergangenen Woche hören konntest, was das Endergebnis unserer Bemühungen war, blicken wir jetzt auf das letzte halbe Jahr zurück und sprechen darüber, wie das Projekt zustande kam und wie es uns im Nachhinein gefallen hat.

Wir, das sind:
Moritz Mehlem (Von der Seifenkiste herab), unser vierter Mitspieler, konnte leider nicht teilnehmen.

Wenn du also mehr über unser Blogspiel wissen willst, folge einfach dem folgenden Link:

Sandfox spielt - Folge 3 - Lovecraftesque - Der Abschluss-Podcast

Ein zusätzlicher Hinweis:
Das Crowdfunding zur deutschen Version von Lovecraftesque läuft noch bis zum 20. Dezember 2019.

Vielen Dank an Michael L. Jaegers (Jaegers.Net) für die Erlaubnis, diesen Podcast hier zu benutzen.