Sonntag, 17. Februar 2019

Wie alles begann: Stephen Kings "Christine"

Jeder Autor hat diese Momente in seinem Leben, in denen er spürt, dass er gerade ein Stück Kunst erlebt hat, dass sein Leben verändern wird.
Und so verrückt das vielleicht für manche Leute klingen mag, für mich war das 1984 Christine, der erste Roman vom Großmeister des Schreckens, Stephen King, den ich je gelesen habe, und zugleich bis heute einer meiner Lieblingsfilme von John Carpenter.

Worum geht's?

Arnie Cunningham ist ein Schüler, für den die Highschool eine nicht enden wollende Kette von Demütigungen ist. Doch zum Glück hat er einen guten Freund, den Football-Star der Schule Dennis Guilder, der ihm immer wieder aus den schlimmsten Situationen heraushilft.
Doch all dies ändert sich in dem Moment, als Arnie ein heruntergekommenes Auto auf einem verwilderten Grundstück entdeckt. Der schrottreife Plymouth Fury von 1958 trägt den Namen Christine, und gegen den Widerstand seiner Eltern und zum Unverständnis seiner Freunde kauft Arnie den Wagen von seinen Ersparnissen und beginnt ihn zu reparieren.
Wider Erwarten macht er dabei schnelle Fortschritte, und schon bald kann er mit dem knallroten Straßenkreuzer vor der Schule vorfahren. Es gelingt ihm sogar, Leigh Cabot, das schönste Mädchen der ganzen Schule, zu seiner Freundin zu machen.
Arnie wird selbstbewusster, bis hin zur Arroganz, aber gleichzeitig auch unbeherrschter. Die Freundschaft mit Dennis und schließlich auch seine Beziehung zu Leigh drohen an der bizarren Liebe zu Christine zu zerbrechen.
Die Situation eskaliert endgültig, als die Schulschläger unter ihrem Anführer Buddy Repperton den Wagen in einer Nacht- und Nebel-Aktion vollständig zerstören. Als Arnie das zertrümmerte Auto findet, zerbricht etwas in ihm. Doch Christine baut sich unter seinen faszinierten Augen selbstständig wieder zusammen.
Pötzlich beginnt der rote Wagen einen grausamen Rachefeldzug gegen sene Peiniger, doch ist es wirklich das Auto oder doch Arnie, der diese Rachegedanken hegt?

Das Buch

Stephen King schrieb den Roman Christine 1982, das Buch erschien 1983 bei Viking. Im ersten Jahr verkaufte der Roman mehr als 300.000 Exemplare, und Stephen King, der im Nachhinein nicht wirklich von seinem Werk überzeugt war, nahm zum ersten Mal richtig Geld ein, weil er einen neuen Vertras ausgehandelt hatte.
Die deutsche Übersetzung von Bodo Baumann erschien noch knapp vor Beginn des Jahres 1984 bei Bastei Lübbe.
Zu jener Zeit entdeckte ich gerade den "King of Horror", und Christine war nach der Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht der erste Roman, den ich von ihm las. Ich war (als Führerschein-Neuling) sogleich fasziniert von der Geschichte um ein verfluchtes Auto, das ein grausiges Eigenleben führte, und verschlang das Buch in kürzester Zeit.
Der Loser Arnie Cunningham war irgendwie ein Spiegelbild dessen, wie ich mich während meiner Schulzeit oft fühlte, und ich träumte davon, mit einem schönen Mädchen an meiner Seite ein mindestens ebenso cooles Auto zu fahren, und das, obwohl vor meinem Haus immerhin ein Opel Kadett mit Rallye-Streifen stand (damals schon ziemlich weit vorne).

Der Roman erhielt durchwachsene Rezensionen, und wenn man ihn objektiv betrachtet, stimmen die meisten der Kritikpunkte wohl auch. Es wurde immer wieder gesagt, King habe dieses Buch in einem einzigen riesigen Alkoholiker-Blackout geschrieben, und vieles wirkt auch so, als wisse der Autor nicht mehr, was er zehn Seiten zuvor geschrieben hat. Viel zu viele Kapitel scheinen keinen wirklichen Sinn zu erfüllen, und ganze Sub-Plots (wie eine Geschichte über Zigarettenschmuggel) könnte man entfernen, ohne dass der Roman etwas verlieren würde.
Und doch reißt King in den besten Teilen des Buchs dem amerikanischen Traum die grinsende Maske vom Gesicht und offenbart ihn als boshafte Fratze.


Der Film

Stephen King bot die Rechte an Christine noch vor der Veröffentlichung dem Produzenten Richard Kobritz zur Verfilmung an, und der sprang sofort auf die Geschichte an, welche in seinen Augen vor allem die Besessenheit der Amerikaner mit ihren Autos thematisierte.
Das von Bill Phillipps verfasste Drehbuch basierte auf einer Arbeitsfassung des Romans und nimmt sich einige Freiheiten gegenüber dem Original. So wurden beispielsweise einige der Todesszenen geändert, um sie filmisch ansprechender zu machen, teilweise aber auch, um sie überhaupt finanzieren zu können (so hätte die Todes-Szene des Schrottplatzbesitzers erfordert, dass Christine ein ganzes Haus plattmacht).
John Carpenter übernahm den Posten als Regisseur nicht aus Begeisterung, da er den Roman als wenig erschreckend empfand, doch nach dem Misserfolg seines Herzensprojekts Das Ding aus einer anderen Welt brauchte er einfach einen Job.
Die Besetzung besteht vor allem aus jungen, unverbrauchten Gesichtern, zum Beispiel dem späteren Baywatch-Star Alexandra Paul als Leigh Cabot in einer ihrer ersten Rollen. Altbekannte Gesichter wie Harry Dean Stanton als misstrauischer Bulle oder Robert Prosky als schmieriger Schrottplatz-Besitzer runden den Cast ab.
Musikalisch wird das Ganze vor allem von der typischen elektronischen John-Carpenter-Musik untermalt, doch dazwischen tauchen immer wieder alte Rock'n'Roll-Songs auf. Vor allem aber der Einstieg in den Film mit dem Song Bad to the Bone von George Thoroughgood & the Destroyers reißt den Zuschauer sofort in eine Welt, in der Musik und Autos mehr sind als einfach nur Nebensache.
Die auch heute noch beeindruckende Szene, in der sich Christine selbst wieder repariert, wurde übrigens erst im Nachhinein gedreht, weil der Regisseur zunächst das Mysterium aufrechterhalten wollte, dann aber doch einsah, dass das Publikum sehen wollte, was genau der Wagen tat, um wieder wie neu zu werden. Das obige Video enthält übrigens einige Ausschnitte dieser Momente.
Wie schon der Roman wurde der Film von der Kritik nicht gerade in den Himmel gelobt, und obwohl der Streifen an den Kinokassen nicht wirklich durchfiel, war er doch nicht der rauschende Erfolg, den man wegen des damals gerade übermäßig erfolgreichen Namens Stephen King erhofft hatte.

Die Folgen

Eine Zeitlang geriet Christine fast in Vergessenheit, doch der anhaltende Erfolg auf dem Heimkino-Markt (erst auf VHS, dann auf DVD und BluRay) machte aus dem anfangs wenig beliebten Streifen irgendwann einen Kultfilm.
Das gleichermaßen bullige und ästhetische Äußere des Plymouth Fury machte das eigentlich nicht sonderlich erfolgreiche Auto zu einer Art Sinnbild für die Autos der Fünfziger, und das, obwohl im Film auch Wagen der Baureihen Savoy und Belvedere den Platz der Hauptdarstellerin einnehmen mussten, weil man nicht genügend Furys auftreiben konnte.
Auch die inzwischen bekannte und bei den Fans beliebte rote Farbe war eigentlich nicht der Standard, sondern wenn überhaupt eine Sonderlackierung, da der Plymouth Fury normalerweise in Weiß mit goldenen Seitenstreifen angeboten wurde.
Das bösartige Auto wurde zu einem immer wiederkehrenden Bild vor allem in Verfilmungen von Stephen King. Bis heute tauchen in immer neuen Filmen und Serien, sie ich mehr oder weniger auf den "King of Horror" beziehen, rot-weiße Plymouth Furys auf, die mit dröhnendem Motor durch die Landschaft rasen. Für die besondere Rolle der wildgewordenen Auto-Dame spricht auch, dass spätere Bücher mit ähnlichem Thema wie Der Buick nie diesen Kult-Charakter erreichen konnten.
Und was John Carpenter angeht, der scheint sich inzwischen zwar vom Filmemachen weitestgehend zurückgezogen zu habn, doch ein von ihm selbst gedrehtes Musik-Video zu einer Neuaufnahme des Christine-Themas zeigt, dass auch er wohl inzwischen seinen Frieden mit dem roten Wagen geschlossen hat.


Die Folgen für mich

Auch bei mir ist Christine irgendwann unter den Hunderten anderer Bücher und Filme verloren gegangen, die ich in den 35 Jahren danach konsumiert habe. Das Buch verschwand in einem Regal in der zweiten Reihe, und die irgendwann gekaufte DVD wurde - feinsäuberlich im Regal einsortiert - vergessen.
Doch dann fand ich in einer Kiste im Keller einige alte Schreibmaschinenseiten, die wohl aus dem Jahr 1984 stammen mussten (einen Computer hatte ich damals noch nicht).
Sowohl der Roman als auch der Film Christine endeten damit, dass der dämonische Plymouth Fury möglicherweise nicht wirklich zerstört war, sondern sich erneut regeneriert hatte und nach einigen Jahren wieder loszog, um sich an denen zu rächen, die für seine zeitweise Zerstörung verantwortlich waren.
Mit gerade mal 19 Jahren hatte ich damals beschlossen, dass ich in der Lage wäre, eine adäquate Fortsetzung zu schreiben, in der die beiden Helden des Romans, Dennis und Leigh, die sich laut Original voneinander getrennt hatten, erneut aufeinander trafen und sich ihrer motorisierten Nemesis zu einem letzten Duell stellen mussten.
Somit ist diese Geschichte wohl eins der ältesten Werke aus meiner Feder, das den Weg in die Jetztzeit geschafft hat, und eins der ersten Beispiele für meine "Schreibkunst". Somit ist Christine im besonderen Maße verantwortlich für alles, was ich in den folgenden Jahren verfasst habe.
Damit ihr sehen könnt, was ich damals für eine gute Idee hielt, möchte ich wenigstens eine kurze Synopse des Textes bieten, den ich damals verfasst habe.

Christines Rückkehr

Ich hatte die Geschichte nach Las Vegas verlegt (warum, kann ich nicht mehr sagen, vermutlich hatte ich einen Film darüber gesehen und meiner Faszination für die Stadt in der Wüste nachgegeben), wo Leigh mit ihrem neuen Freund lebte, den ich schon auf der ersten Seite von Christine umbringen ließ.
Dennis hatte vom erneuten Auftauchen des Wagenms gehört und tauchte in Vegas auf, um Leigh beizustehen. Nachdem sie Christine in einer wilden Verfolgungsjagd entkommen waren, sich aber im Streit getrennt hatten, entführte Christine das Mädchen (bemerkenswerterweise in einer Szene, die dem obigen Musik-Video sehr ähnelt). Dennis lockte das verfluchte Auto daraufhin mit seinem Pontiac Firebird zu der Baustelle eines Casinos (ich schwöre, das war vor Knightrider, aber auch eindeutig nach Ein ausgekochtes Schlitzohr), wo es im strömenden Regen zum letzten Duell kam (ja, genau, in Las Vegas, wo es gefühlt nur ein paar Mal im Jahr ein paar Tropfen regnet).
Das Ende der nur wenige Seiten langen Geschichte war, dass Leigh aus dem fahrenden Auto sprang, während Dennis Christine mit seinem Wagen in ein frisch gegossenes Fundament schob, aus dem sie mehrfach versuchte, sich mit dröhnendem Motor zu befreien, bevor sie endgültig im Beton versank.
Dennis und Leigh, die am Ende natürlich wieder zusammen waren (ich bin nun mal ein Romantiker), besuchten irgendwann das fertige Casino, und sie waren sich beide absolut sicher, dass sie aus dem Bode der Eingangshalle das Dröhnen des mächtigen Achtzylinders hörten, der immer noch in seinem grauen ausgehärteten Gefängnis lief, selbst nach vielen Monaten.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Sandfox auf hoher See - Die HelgoCon19

Manchmal braucht es einen Zufall für die aufregenden Momente im Leben. Bei einem Gespräch mit Michael von jaegers.net über ein gemeinsames Projekt erzählte ich von meiner Faszination für die Insel Helgoland, worauf er meinte, er plane gerade zusammen mit einigen anderen die erste deutsche Hochsee-Convention, die HelgoCon19 (wenn diese auch damals noch nicht so hieß).
Thema des gemeinsamen Treffens sollte cthulhuides Rollenspiel sein, am besten mit einem Bezug zum Meer.
Nun muss man mir keinen besonderen Anreiz geben, wenn es darum geht, nach Helgoland zu fahren (einen Ort, mit dem mich seit meiner Jugend eine tiefe Faszination verbindet), und mit Cthulhu kriegt man mich auch ganz schnell, also quengelte ich so lange, bis ich den (zu der Zeit) letzten freien Platz bekam.
Und so saß ich mit den restlichen Teilnehmern am 18. Januar 2019 an Bord der MS Helgoland, der einzigen Möglichkeit, im Winter die Insel als Tourist zu erreichen.

Die Besetzung der HelgoCon19

Neben dem bereits erwähnten Michael von jaegers.net hatten sich auch Jens und Sandra vom Ausgespielt-Podcast eingefunden, dazu noch Tim, den man in Hamburg gerne im absolut tollen Spiele-Café Würfel & Zucker trifft, und mit Fabian und Mathias zwei weitere Leute aus dem Umfeld der restlichen Anwesenden. Und dazu noch ich, der sich auf drei Tage Inseldasein freute, immer in der Hoffnung, dass uns die Wetterlage wieder eine glückliche Rückfahrt ermöglichen würde.
Von daher ist die HelgCon19 ein sicherer Anwärter für die wohl kleinste Convention 2019 mit insgesamt sieben Teilnehmern.
Gewohnt haben wir übrigens im Haus Sathurn, einem modernen Ferienhaus für bis zu acht Personen, das wirklich hielt, was Bilder und Werbesprüche ankündigten. Große Empfehlung!


Ein paar Worte zu Helgoland

Deutschlands einzige Hochsee-Insel, früher auch gerne der "Fuselfelsen" genannt wegen der Möglichkeit, vor Ort ohne Mehrwertsteuer zum Beispiel Alkoholika einzukaufen, hat eine bewegte Geschichte hinter sich (wer interessiert ist, den verweise ich an dieser Stelle auf Wikipedia als Einstieg).
Helgoland ist auch heute noch in den Frühlings- und Sommermonaten oft von Tagestouristen überschwemmt, die vom späten Vormittag bis zum Nachmittag über die Einkaufsstraßen herfallen, doch in den frühen Morgenstunden und am Abend, wenn nur die Einheimischen (die "Hallunder") und die Dauergäste vor Ort sind, entfaltet Helgoland seinen sperrigen, knorrigen Charme
Die gerade mal einen Quadratkilometer große Insel ist im vorderen Bereich dicht bebaut, und vor allem im hochgelagerten Oberland kann man sich schnell in den kleinen Gässchen verlieren, die einen dann plötzlich doch noch irgendwo dort ausspeien, wo man ungefähr hinwollte.
Alles hat den Charme eines kleinen norddeutschen Dorfes, wenn dieses auch etwa 50 Kilometer über See vom nächsten Stück Land entfernt liegt. Doch wenn man bei Sonnenaufgang am Rand der Klippen steht und sich den kühlen Wind vom Meer um die Nase wehen lässt, dann möchte ich den sehen, der sich der Faszination dieses Ortes widersetzen kann.


Spielrunden

Wie gesagt, cthulhuides Rollenspiel sollte im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stehen, und so kam es zu folgenden Spielrunden:
  • Freitagabend sammelte sich in einer Ecke des Wohnzimmers eine Gruppe von Laundry-Agenten, die sich wie immer eines absurd-grausigen Falls annehmen mussten, während am nahegelegenen Esstisch zwei mutige Plüsch-Recken das Auftauchen des großen Plüschulhu vor der Helgoländer Küste mit den Regeln des Bäronomicon verhindern konnten.
  • Samstagmorgen stürzten wir gemeinsam den bedauernswerten Aushilfspfarrer Hein Godermann der Helgoländer Gemeinde St. Nicolai in sein cthulhuid geprägtes Unglück, in einer Runde des hervorragenden Erzählspiels Lovecraftesque.
  • Den Rest des Tages verbrachten wir als britisch-amerikanischer Einsatztrupp auf einer verlassenen(?) russischen Eisdriftstation im Nordpolarmeer, mit dem Abenteuer Weißer Tod von der 100 Questen Gesellschaft e.V..
  • Der Sonntagmorgen stand im Zeichen einer Bunkerführung, bei der wir den zivilen Luftschutzbunker der Insel besuchen konnten, bedrückendes und zugleich faszinierendes Relikt einer hoffentlich nie wiederkehrenden Zeit, was in der Folge noch zu einigen Diskussionen führte.
  • Quasi als Ausgleich hatten wir am Nachmittag eine der lustigsten Runde des Wochenendes, bei der wir Michael nach den Regeln von Everyone is John als verwirrten Schizophrenen "John" durch Innsmouth jagen durften.
  • Am Abend durfte ich dann die versammelte Truppe in einer Runde Dockside Dogs (einem meiner erklärten Lieblings-Szenarien für Cthulhu) zur totalen Eskalation führen. Ich hoffe nur, dass von außen niemand hören oder sehen konnte, wie wir uns scheinbar an die Gurgel gingen.
  • Montagmorgen versuchten wir uns dann noch an einer Runde Trail of Cthulhu, die jedoch aus Zeitgründen leider beendet werden musste, da die Abfahrt unseres Schiffes anstand.


Essen

Ein besonderer Dank gebührt an dieser Stelle noch Tim, der als unser Smutje dafür sorgte, dass garantiert niemand verhungern musste und dass meine Blutwerte nach dem Wochenende sicherlich völlig jenseits aller guten und gesunden Werte lagen.
Aber wenn wir schon sterben, warum dann nicht an einem Apfel-Bananen-Crumble mit Vanille-Eis?
😋

Fazit

Das wichtigste Fazit aller Anwesenden war wohl: die HelgoCon20 kann kommen!
Und das ruhig wieder am gleichen Ort zur gleichen Jahreszeit.
Da aufgrund kurzfristiger Terminprobleme letztendlich nur sieben statt acht Leuten mitfahren konnten, wollen wir schauen, dass wir beim nächsten Mal vielleicht in Vollbesetzung auflaufen werden.
Genug Ideen für Helgoland-zentrierte Abenteuer sind auf jeden Fall vorhanden. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Dienstag, 25. Dezember 2018

Karneval der Rollenspielblogs Dezember 2018 - Kopfkino und Tagträume

Der Karneval der Rollenspielblogs ist eine monatliche Aufforderung, sich zu einem rollenspiel-relevanten Thema zu äußern, jeweils ausgerichtet von einem Blog, der das Thema vorgibt und die Arbeit des Zusammentragens übernimmt.
Im Monat Dezember 2018 wurde der Karneval ausgerichtet von Dnalors Fantasy-Blog, und zwar zum Thema:

Kopfkino und Tagträume

Es ist mal wieder Weihnachten, jene Zeit, in der die meisten von uns wahrscheinlich von einer Familienfeier zur anderen hetzen, Gedanken vor allem darauf verschwenden, ob man die richtigen Geschenke für Tante Lotti und Opa Jochen hat oder ob das gewählte Weihnachtsmenü auch alle Bedürfnisse der hungrigen Gäste abdeckt.
Kaum die richtige Zeit, um in das eigene Kopfkino zu fliehen oder sich in Tagträumen zu ergehen, oder?
Ich finde, doch...

"Da ist der Gedanke, fass ihn!"

Als Kreativer muss ich immer damit rechnen, dass mir eine Idee durch den Kopf schießt, sei es wegen irgendeiner Erzählung aus alter Zeit, wie ich sie Weihnachten zuhauf höre, sei es wegen einer Nachrichten- oder Dokumentarsendung, die ich in einem der wenigen Momente der Ruhe sehe, die sich mir bieten.
Es kann nur ein kleiner Funke sein, dem ich zunächst kaum Beachtung schenke, doch es ist wichtig, diesen Moment zu bewahren, den Gedanken zu fassen, bevor er sich verflüchtigt, vor allem dann, wenn ich keine Möglichkeit habe, ihn schriftlich festzuhalten.
Manchmal handelt es sich aber auch nur um ein kurzes Aufblitzen, das ich gar nicht zu Papier oder auf den Bildschirm bringen könnte, weil es noch keine festgefügten Worte hat.

"Schreib in deinem Kopf."

Wenn es eine gute oder wichtige Idee war, dann habe ich gelernt, ihn zu bewahren, ohne ihn aufzuschreiben. Ich bewege ihn vorwärts und rückwärts durch meinen Kopf und nähere mich ihm auf verschiedene Arten, aus unterschiedlichen Richtungen.
Hier beginnen die Tagträume, die aus dem Funken eines Gedanken etwas anderes machen, die eine Idee zu einem Bild formen, das zuerst nur in meinem Hirn entsteht, das nirgendwo festgehalten wird.
Um das Bild meines Kopfkinos deutlicher zu machen, nutze ich jede freie Sekunde:
  • die wenige Zeit im Auto, wenn ich eine kurze Strecke fahre
  • die Ruhe vor dem nächsten Besucher, der mit mir Weihnachten begehen will
  • die kleinen Fluchten, die ich mir auch in den stressigsten Tagen einzurichten versuche
  • und nicht zuletzt die Minuten vor dem Einschlafen, wenn das Hirn noch etwas sucht, an dem es sich festhalten kann, bevor es mich in die wohlverdiente Nachtruhe entlässt
Wohin wird sich das Bild am Ende entwickeln? Vielleicht wird ein Charakter daraus, den ich in einer Geschichte verwenden kann, vielleicht ein Stück Magie oder ein technisches Gimmick, das Einzug in ein Abenteuer findet.
Doch mit jedem Gedanken, den ich darauf verwende, wird das Bild in meinem Kopf klarer, formt sich deutlicher vor meinem geistigen Auge.

"Sei bereit für Veränderungen."

Der erste Funke hat sich jetzt zu einem kleinen oder größeren Gedankenkonstrukt entwickelt, zu einer Folge von Bildern in meinem ganz eigenen Kopfkino, die mir zeigen, wohin die Reise meiner Überlegungen führen könnte.

Ich bin bereit, diesen Wegen zu folgen, umarme die wildesten Einfälle, genieße die neuen Bilder, die sich daraus entwickeln. Auch wenn ich anfangs dachte, dass ich einem Beispiel für Zauberei auf der Spur war, wenn es sich irgendwann als Roboterwesen aus einer fernen Zukunft herausstellt, dann soll es wohl so sein.
Manchmal geht die ursprüngliche Idee durch unbeschreibliche Mutationen, verändert sich so drastisch, dass ich sie kaum noch erkenne.
Aber ich lasse das zu, denn ich bin es, der ihr in meinen Tagträumen diese spezielle Form gibt, diese Gestalt, die nur ich mit meinen Gedanken ihr geben kann, und wenn etwas in mir davon überzeugt ist, dass dies der richtige Weg ist, warum sollte ich mir selbst widersprechen?

"Setz dich hin, schreib es nieder, in Ruhe und ohne Hast!"

Wenn der Gedanke zu Ende gedacht ist, der Tagtraum seine Bestimmung hat, wenn die Bilder des Kopfkinos klar und deutlich auf der mentalen Leinwand prangen, dann ist es Zeit, sie niederzulegen, wie in diesem Blog-Artikel, aber auch in einer Geschichte, einem Abenteuer, einem Rioman- oder Welten-Fragment.
Doch das ist eine Geschichte, die zu einer anderen Zeit erzählt werden soll.

"Trau dich zu träumen!"

Gerade in hektischen Zeiten wie diesen, in denen wir anscheinend nie die Zeit haben, uns mit unseren eigenen Gedanken zu beschäftigen und einen Traum in uns wachsen zu lassen, sollten wir es dann nicht gerade tun?
Und sei es nur, um der angeblich unausweichlichen Realität ein Schnippchen zu schlagen?
Wenn dein Geist dir sagt, dass du einem Traum folgen sollst, dann gönn dir diese Momente für dich selbst, nimm dir die Freiheit, einfach auch mal nur du zu sein, so wie ich gerade jetzt, wo ich diesen Text beende, während ich das Klappern der Topfdeckel und das Klingen der frisch aufgestellten Gläser unten höre.
Ich danke denen, die mir diese Zeit begeben haben.


Alle Beiträge zum Karneval der Rollenspielblogs Dezember 2018
findet ihr übrigens bei Dnalors Fantasy-Blog und im Forum von RSP-Blogs.de.

Sonntag, 9. Dezember 2018

RPG-Blog-O-Quest #39 - Ausblick 2019 (Dezember 2018)

Kurz vor Ende des Jahres, wo alle den Blick auf das Vergangene richten, schaue ich lieber in die Zukunft, mit der RPG-Blog-O-Quest #39 unter dem Motto Ausblick 2019, ausgerichtet von  Greifenklaue.
Wie immer geht es darum, zu einigen vorgegebenen Fragen zum Thema Rollenspiel Stellung zu beziehen.

Die Fragen:

Frage 1:
Von der (nicht wirklich korrekt benannten) RPG-Top Ten-Liste des Goldenen Stephan kenne ich vom Namen her 15 Produkte. Gespielt habe ich allerdings nur drei davon, möchte das bei zwei weiteren möglichst bald nachholen.
Besonders interessant fand ich, dass ich neben einigen mir unbekannten Spielbüchern (nicht meine Baustelle) tatsächlich mit Feenlicht ein Rollenspiel gefunden habe, von dem ich vorher noch nie gehört hatte. 
Am besten davon finde ich Protektor - Das Rollenspiel, weil es auf dem deutschen Markt eindeutig zu wenig humoristische Rollenspiele gibt und der Protektor ein hervorragendes Beispiel dafür ist. Und JA, auch weil ich daran mitgeschrieben habe. 

Frage 2:
Was erwartest Du mit Ausblick auf 2019 am meisten?
Weniger negativer Stress, mehr Con-Besuche, coole neue Projekte.
Mal sehen, was davon wirklich klappen wird ...

Frage 3:
Hast Du rollenspieltechnische Pläne für 2019?
2019 plane ich, endlich bei meinem Herzensprojekt Bäronomicon weiter zu kommen und den Spielern da draußen eine erste offene Beta-Version zur Verfügung zu stellen.
Und ich möchte die zugehörige Website auf Vordermann bringen.

Frage 4:
Gibt es für Deinen Blog ein Projekt oder eine Artikelserie, die Du für 2019 ins Auge gefasst hast?
Im April 2017 habe ich zum letzten Mal über den Fortschritt bei meinem Kartenspiel-Projekt Klunker-Chaos berichtet; da ich dieses Spiel gerade wieder aus den Untiefen meines Prototypen-Schranks hervorgeholt habe und komplett überarbeiten will, werde ich dazu wohl einiges schreiben.

Frage 5:
Spielst Du momentan in einer oder mehreren Kampagnen, die auch 2019 Fortsetzung finden?
Nein, leider hat mir dafür die Zeit gefehlt, und ich habe es nicht mal geschafft, eine im Jahr 2017 begonnene Mini-Kampagne abzuschließen.
Vielleicht 2019? Mal sehen ...

Bonus-Frage 1:
Die Rocketbeans veröffentlichen ihr erstes RPG T.E.A.R.S. mit Hammerauflage. Wie stehst Du zum Phänomen Rocketbeans, kennst Du sie überhaupt?
Das Thema Rocketbeans habe ich anfangs komplett unterschätzt.
Ich bin erst sehr spät und eher zufällig darauf gestoßen, wie groß die Zuschauerschaft der Truppe ist, vor allem aber, wie viele Leute sie tatsächlich als Neulinge in die Szene ziehen. Dieser Erfolg kam für mich überraschend; letztendlich gönne ich aber jedem den Durchbruch, dem es gelingt, dafür zu sorgen, dass nicht nur alte Säcke wie ich dem nzwischen betagten Hobby Rollenspiel frönen.
Letztendlich bleibt ein "Let's Play" aber für mich selbst ein eher uninteressantes Phänomen, bei dem ich mich nicht zur Zielgruppe zähle.

Bonus-Frage 2:
2019 würde ich bei der Blog-O-Quest den Monat Bäronember organisieren mit dem Thema Luftschiffe und Plüschtiere im Rollenspiel.
😋
Nein, im Ernst, ich denke nicht, dass ein momentan (noch?) selten erscheinender Blog wie dieser sich solche Ziele stecken sollte.


Die RPG-Blog-O-Quest wurde diesmal angeleiert von Greifenklaue.
Dort findet ihr auch alle Antworten verlinkt, ebenso im Forum von RSP-Blogs.de.