Donnerstag, 28. Februar 2019

Karneval der Rollenspielblogs Februar 2019 - Flieger und Piloten - Faszination Luftschiff


Der Karneval der Rollenspielblogs ist eine monatliche Aufforderung, sich zu einem rollenspiel-relevanten Thema zu äußern, jeweils ausgerichtet von einem Blog, der das Thema vorgibt und die Arbeit des Zusammentragens übernimmt.
Im Monat Februar 2019 wurde der Karneval ausgerichtet von Greifenklaue, und zwar zum Thema:

Flieger und Piloten 

Wenn ich überlege, welche Luftfahrzeuge mich besonders ansprechen, dann kann ich das sehr schnell beantworten: Luftschiffe!
Darum ist es mir auch bislang bei praktisch jedem Rollenspiel, für das ich geschrieben habe, gelungen, wenigstens ein Abenteuer über diese einzigartigen Gefährte am Himmel zu verfassen.
Doch woher kommt sie, diese ...

Faszination Luftschiff

Wie kein anderes Luftfahrzeug erwecken die riesigen Fluggeräte die Phantasie der Menschen, und wenn man das Glück hat, an einem der Orte zu leben, wo sie noch heute fliegen, so kann man sicher sein, dass die Leute auf der Straße stehen bleiben und fasziniert nach oben blicken, wenn das Dröhnen ihrer Motoren am Himmel ertönt.

Anders als dahinrasende Flugzeuge gleiten Zeppeline mit einer beruhigenden Langsamkeit dahin, nach der sich Menschen gerade heute sehnen. Sie verbinden Luftschiffe mit einer "guten alten Zeit", in der man noch nicht so gehetzt war wie heute.
Ein Gigant wie die Hindenburg, der sich in den Himmel erhebt, um nach Amerika zu fliegen, löst Träume aus, die mit den engen Konservendosen moderner Airliner wenig zu tun haben. Es ist das Bild einer vielleicht nicht zeitgemäßen oder wirtschaftlichen, aber faszinierenden Mischung aus Ozeanriese und Luxushotel, die in 60 Stunden einen Ozean überwindet.
Dieses Bild hat unser Denken bis heute geprägt, wenn es auch ganz andere, viel schlimmere Einsatzmöglichkeiten für Luftschiffe gab.
Doch an dieser romantischen Verklärung dürfte es auch liegen, dass ein Autor einen ganz einfachen Weg gehen kann, um uns zu zeigen, dass wir uns in einer anderen (besseren?) Welt befinden. In vielen, wenn nicht den meisten Fällen bewegen sich hier Luftschiffe über den Himmel, docken am Empire State Building an oder laden zu luxuriösen Weltreisen am Himmel ein.

Die meisten Menschen denken, die Geschichte der Luftschifffahrt endete mit der Explosion des Zeppelins Hindenburg über Lakehurst 1937, doch tatsächlich werden Luftschiffe verschiedenster Bauart bis heute eingesetzt, wenn sie auch schon lange nicht mehr die Bedeutung besitzen, die sie in den ersten vierzig Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts hatten.

Die große Zeit der Luftschiffe

In einer Zeit, in der Flugzeuge nur aus Holzlatten bestanden, über die man Segeltuch gespannt hatte, war ein Luftschiff mit seinem gewaltigen Tragkörper natürlich ein besonders ehrfurchtgebietender Anblick.
Vor allem aber hatten Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die Luftschiffe Reichweiten und Flugeigenschaften aufzuweisen, mit denen sich kein anderes Fluggerät  messen konnte.
Mit Beginn des ersten Weltkriegs wurden sie deshalb auch für militärische Zwecke eingesetzt, flogen über Land und Meer Aufklärungseinsätze und wurden auch für erste Bomberflüge eingesetzt (und das nicht nur von den Deutschen, wie viele Leute heute annehmen).

Nach dem Großen Krieg war klar, dass sich ein militärisches Luftschiff im Vergleich mit den sich rasant entwickelnden Flugzeugen höchstens als Aufklärer eignete.
Und dennoch begann eine neue Ära des Luftschiffbaus. Es gab verschiedene Investoren, die (fälschlicherweise) dachten, sie könnten mit den silbernen Zigarren einen internationalen Passagierverkehr schneller aufbauen als mit den vergleichsweise kleinen Flugzeugen.
Leider wurde dabei die Wetteranfälligkeit der Luftschiffe immer deutlicher. So manches Schiff wurde von Stürmen gebeutelt zur Landung gezwungen oder ging in Gewittern verloren. Viele dieser Unfälle führten zum Totalverlust der anfälligen Giganten.
Auch holte die Technik weiterhin schnell auf, so dass den Luftschiffen irgendwann nur noch die Hoffnung auf den Interkontinental-Verkehr blieb.
Die Hindenburg war der Höhepunkt dieser Entwicklung, aber auch ihr Ende, bevor die Flugzeuge endgültig die Herrschaft übernahmen.
Vor allem die Amerikaner hielten aber auch an der Idee des Militärluftschiffs fest. Sie bauten mit der Akron und der Macon in den frühen dreißiger Jahren sogar zwei "Fliegende Flugzeugträger", die vier bzw. fünf Doppeldecker in Einsatz bringen konnten, um die eigene Reichweite zu erhöhen und sich zu verteidigen.
Bis weit in die Achtziger Jahre hinein wurden militärische Luftschiffe als Aufklärer, U-Boot-Jäger und sogar Transporter eingesetzt, wenn sie auch nie die Bedeutung anderer Waffensysteme erlangten.

Irgendwann waren Luftschiffe allerdings nur noch als fliegende Werbeträger unterwegs, die die Begeisterung der Zuschauer nutzten, um Firmennamen oder Logos besonders werbewirksam zu präsentieren.

Luftschiffe in Deutschland

Aktuell gibt es in Deutschland noch vier zugelassene Luftschiffe:
Wer also den besonderen Touch eines Luftschiff-Fluges erleben möchte, muss sich an einen dieser Orte begeben und die normalerweise horrenden Preise für einen Rundflug ausgeben (normalerweise kaum unter 300 €).

Neue Luftschiff-Projekte

Immer wieder tauchen Berichte auf, in denen kolportiert wird, dass eine neue Firma dabei ist, die große Zeit der Luftschiffe wieder aufleben zu lassen. Und sobald dies passiert, toben die Fans in aller Welt, die Zeitungen überschlagen sich, und die Fernsehteams bemühen sich darum, möglichst beeindruckende Bilder zu bekommen.
So geschah es auch 1996, als die Firma CargoLifter ankündigte, sie wolle mit dem CL160 ein großes Lasttransportluftschiff bauen, das bis zu 160 Tonnen Ladung tragen sollte!
Im Mai 2000 ging die Firma an die Börse und sammelte in den nächsten Jahren bis zu 70.000 Aktionäre um sich, die von dem Projekt begeistert waren.
Für die großen Bilder sorgte die gigantische Werfthalle, die in der brandenburgischen Gemeinde Krausnick entstand und noch heute mit einer Größe von 360×150×107m die größte freitragende Halle der Welt ist.
Leider wurde in den Folgejahren immer deutlicher, dass die hochtrabenden Pläne der Firma sich in Wirklichkeit nicht realisieren ließen. Das geplante Schiff wäre stark vom Wetter abhängig gewesen, da es für einen Instrumentenflug von seinen geplanten Flugdaten her nicht geeignet war, und auch die geplante Zuladung würde sich nicht erreichen lassen. Als das Projekt sich zudem mehr und mehr verzögerte, versiegten irgendwann die Geldquellen, und CargoLifter meldete im Mai 2002 Insolvenz an. Eine Nachfolgefirma baut heute Ballonkräne und plant weiterhin Luftschiffe, doch niemand rechnet noch ernsthaft damit, dass diese Pläne irgendwann wahr werden.
Wer sich übrigens die Halle ansehen möchte, der kann den Schwimmpark Tropical Islands besuchen, der in der riesigen Halle aufgebaut wurde.

Nun möchte man denken, dass irgendwann der Traum ausgeträumt sein muss, doch als vor einigen Jahren die Firma Aeros ihr Projekt Dragon Dream vorstellte, hofften wieder alle auf ein gutes Ende. 2013 unternahm sie einen ersten Probeflug, doch 2015 wurde der Prototyp durch den Einsturz seines Hangars beschädigt.
Wird die Dragon Dream jemals wieder fliegen? Und wenn, wird sie eine Renaissance der Luftschiffe einleiten?
Ich zumindest kann es kaum abwarten, bis wieder öfter ein silbriger Tragekörper langsam über mein Haus hinweg gleitet.

 
Weiter geht's übrigens morgen in Teil 2 unter dem Titel Luftschiff-Geschichten.


Alle Beiträge zum Karneval der Rollenspielblogs Februar 2019
findet ihr übrigens bei Greifenklaue und im Forum von RSP-Blogs.de.

Montag, 25. Februar 2019

Die CCXP ist nicht die neue RPC ... schade drum ...

Im September kündigten die Köln-Messe und RPC-Organisator Andre Kuschel in einem ersten Artikel an, dass die gute alte Role Play Convention (der Link als Erinnerung an gute alte Zeiten) Teil einer neuen Veranstaltung werden soll, welche die bisherige RPC aufnehmen sollte: die Comic Con Experience oder CCXP, veranstaltet von der brasilianischen Omelete Group.

Erste Verwirrung trat auf, weil der gewählte Termin genau parallel zur Comic Con Germany in Stuttgart gelegt wurde. Warum will sich eine neue Veranstaltung gleich mit einer etablierten Convention messen? Und wo bleibt der Fan, der sich jetzt entscheiden muss?

Alle Fragen sollten schließlich auf einer Presse-Konferenz geklärt werden, die tatsächlich am 7. November stattfand und komplett von DORP-TV übertragen wurde


Man merkte den brasilianischen Veranstaltern durchaus die Begeisterung für ihr Konzept an, wohingegen Andre Kuschel schwer ins Rudern kam, als man ihn zu einigen bekannten Punkten der RPC befragte (zum Beispiel zu verbilligten Ständen für Klein- und Kleinstanbieter).
Alles schien noch sehr im Fluss zu sein, aber wer nicht gerade an Stars und Sternchen interessiert war, musste sich wohl noch eine Weile gedulden, um zu erfahren, inwieweit sich ein Besuch auf der neuen Veranstaltung lohnte.

Die zeitgleich auf der Website veröffentlichten Konditionen bedeuteten für viele Anbieter sofort das Aus, da sich ein Stand um ein Mehrfaches gegenüber der letzten RPC verteuerte. Ankündigungen, dass sich hier noch was ändern würde, blieben bislang genau das, Ankündigungen.

Seit heute (25. Februar 2019) sind nun die Tickets für die CCXP erhältlich, und auch wenn man ein Tagesticket für Donnerstag oder Freitag "schon" als Early-Bird für 25 Euro bekommen kann, steigen die Preise bis zur eigentlichen Veranstaltung fast auf das Doppelte. (Wobei nicht verschwiegen verwenden soll, dass es auch Ticketkategorien wie Epic Experience oder Full Experience gibt, die auf Preise bis zu 1.450 € steigen!)
Wer sich näher informieren möchte, auch über das Preisgefüge, dem empfehle ich diesen Artikel auf der Seite Gameswirtschaft.

Was bedeutet das für Rollenspieler, die früher zur RPC gepilgert sind?

In keinem der Statements, von der ersten Meldung über die Pressekonferenz bis hin zu den jetzigen Aussagen der Köln-Messe, ist in irgendeiner Hinsicht eine klare Aussage zu Rollenspielen und ihren Verlagen zu finden. Nur ein kleiner Abschnitt auf der Website, verschämt versteckt auf einer Unterseite, spricht davon, dass man sie auf der CCXP antrifft.

Nun möchte ich nicht so tun, als wäre die RPC die beste Convention seit der Erfindung von geschnittenem Brot gewesen. Trotzdem war sie ein wichtiger Ablaufpunkt der Szene, um sich zu treffen und auszutauschen, vielleicht der wichtigste neben der SPIEL in Essen.

Man bekommt jedoch den Eindruck, dass vieles, was für uns Rollenspieler die RPC ausgemacht hat, auf der CCXP nicht mehr auftaucht. 
Ja, es gibt noch den Mittelaltermarkt, es gibt noch die LARP-Gruppen und Cosplayer ... letztendlich also all das, was man als Fotomotiv herzeigen kann. 
Der RPC-Award hingegen ist anscheinend verschwunden, sicher wiederum nicht der Weisheit letzter Schluss, aber trotzdem, jetzt einfach weg. 

Wahrscheinlich werden wir die Großen der Szene trotzdem hier treffen, aber wie es darüber hinaus aussieht, bleibt abzuwarten. Was machen die Kleinverleger, die sich normalerweise hinter ihrer Wagenburg aus Produkten hinstellen und versuchen, Leute für ihre Spiele zu begeistern? Trauen sie sich zu, den nötigen Umsatz zu machen, um wenigstens die Kosten reinzuholen? Viele von ihnen tun dies scheinbar nicht und haben ob des Preises und des sonstigen Aufwands bereits ihre Teilnahme abgesagt, manche öffentlich, manche im privaten Umfeld.
Wir alle sind vom Mittelpunkt einer großen Veranstaltung zu einer ungeliebten, zumindest aber unwichtigen Randerscheinung geworden.

Fahre ich zur CCXP?

Nach reiflicher Überlegung werde ich das nicht tun. 
Nicht aus Prinzip, und auch nicht wegen der Preise allein. Sondern weil mich vieles, was die Convention bietet, einfach nicht interessiert.
Ich denke, dass die Personen, die sich für die CCXP interessieren, einfach andere Dinge wollen als ich. Und auf sie wird man eingehen. Die Schnittmenge zwischen CCXP-Interessenten und den bisherigen Besuchern der RPC wird eventuell nicht allzu groß sein.
Das muss nicht schlecht sein, und vielleicht wird die CCXP zu einer großartigen Veranstaltung ... nur nicht für den Rollenspieler, der sich vor allem für sein Hobby interessiert.
Ich bin nicht so missgünstig, den Leuten hinter der Veranstaltung etwas Schlimmes zu wünschen.
Allerdings werde ich mich wohl umorientieren müssen, zusammen mit vielen anderen.
Wir sehen uns also auf der NordCon, der FeenCon, der Eulencon oder der SPIEL.

P.S.: Wer sich eine Karte für die CCXP besorgen möchte, möge seinen Browser hierhin richten.

Sonntag, 17. Februar 2019

Wie alles begann: Stephen Kings "Christine"

Jeder Autor hat diese Momente in seinem Leben, in denen er spürt, dass er gerade ein Stück Kunst erlebt hat, dass sein Leben verändern wird.
Und so verrückt das vielleicht für manche Leute klingen mag, für mich war das 1984 Christine, der erste Roman vom Großmeister des Schreckens, Stephen King, den ich je gelesen habe, und zugleich bis heute einer meiner Lieblingsfilme von John Carpenter.

Worum geht's?

Arnie Cunningham ist ein Schüler, für den die Highschool eine nicht enden wollende Kette von Demütigungen ist. Doch zum Glück hat er einen guten Freund, den Football-Star der Schule Dennis Guilder, der ihm immer wieder aus den schlimmsten Situationen heraushilft.
Doch all dies ändert sich in dem Moment, als Arnie ein heruntergekommenes Auto auf einem verwilderten Grundstück entdeckt. Der schrottreife Plymouth Fury von 1958 trägt den Namen Christine, und gegen den Widerstand seiner Eltern und zum Unverständnis seiner Freunde kauft Arnie den Wagen von seinen Ersparnissen und beginnt ihn zu reparieren.
Wider Erwarten macht er dabei schnelle Fortschritte, und schon bald kann er mit dem knallroten Straßenkreuzer vor der Schule vorfahren. Es gelingt ihm sogar, Leigh Cabot, das schönste Mädchen der ganzen Schule, zu seiner Freundin zu machen.
Arnie wird selbstbewusster, bis hin zur Arroganz, aber gleichzeitig auch unbeherrschter. Die Freundschaft mit Dennis und schließlich auch seine Beziehung zu Leigh drohen an der bizarren Liebe zu Christine zu zerbrechen.
Die Situation eskaliert endgültig, als die Schulschläger unter ihrem Anführer Buddy Repperton den Wagen in einer Nacht- und Nebel-Aktion vollständig zerstören. Als Arnie das zertrümmerte Auto findet, zerbricht etwas in ihm. Doch Christine baut sich unter seinen faszinierten Augen selbstständig wieder zusammen.
Pötzlich beginnt der rote Wagen einen grausamen Rachefeldzug gegen sene Peiniger, doch ist es wirklich das Auto oder doch Arnie, der diese Rachegedanken hegt?

Das Buch

Stephen King schrieb den Roman Christine 1982, das Buch erschien 1983 bei Viking. Im ersten Jahr verkaufte der Roman mehr als 300.000 Exemplare, und Stephen King, der im Nachhinein nicht wirklich von seinem Werk überzeugt war, nahm zum ersten Mal richtig Geld ein, weil er einen neuen Vertras ausgehandelt hatte.
Die deutsche Übersetzung von Bodo Baumann erschien noch knapp vor Beginn des Jahres 1984 bei Bastei Lübbe.
Zu jener Zeit entdeckte ich gerade den "King of Horror", und Christine war nach der Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht der erste Roman, den ich von ihm las. Ich war (als Führerschein-Neuling) sogleich fasziniert von der Geschichte um ein verfluchtes Auto, das ein grausiges Eigenleben führte, und verschlang das Buch in kürzester Zeit.
Der Loser Arnie Cunningham war irgendwie ein Spiegelbild dessen, wie ich mich während meiner Schulzeit oft fühlte, und ich träumte davon, mit einem schönen Mädchen an meiner Seite ein mindestens ebenso cooles Auto zu fahren, und das, obwohl vor meinem Haus immerhin ein Opel Kadett mit Rallye-Streifen stand (damals schon ziemlich weit vorne).

Der Roman erhielt durchwachsene Rezensionen, und wenn man ihn objektiv betrachtet, stimmen die meisten der Kritikpunkte wohl auch. Es wurde immer wieder gesagt, King habe dieses Buch in einem einzigen riesigen Alkoholiker-Blackout geschrieben, und vieles wirkt auch so, als wisse der Autor nicht mehr, was er zehn Seiten zuvor geschrieben hat. Viel zu viele Kapitel scheinen keinen wirklichen Sinn zu erfüllen, und ganze Sub-Plots (wie eine Geschichte über Zigarettenschmuggel) könnte man entfernen, ohne dass der Roman etwas verlieren würde.
Und doch reißt King in den besten Teilen des Buchs dem amerikanischen Traum die grinsende Maske vom Gesicht und offenbart ihn als boshafte Fratze.


Der Film

Stephen King bot die Rechte an Christine noch vor der Veröffentlichung dem Produzenten Richard Kobritz zur Verfilmung an, und der sprang sofort auf die Geschichte an, welche in seinen Augen vor allem die Besessenheit der Amerikaner mit ihren Autos thematisierte.
Das von Bill Phillipps verfasste Drehbuch basierte auf einer Arbeitsfassung des Romans und nimmt sich einige Freiheiten gegenüber dem Original. So wurden beispielsweise einige der Todesszenen geändert, um sie filmisch ansprechender zu machen, teilweise aber auch, um sie überhaupt finanzieren zu können (so hätte die Todes-Szene des Schrottplatzbesitzers erfordert, dass Christine ein ganzes Haus plattmacht).
John Carpenter übernahm den Posten als Regisseur nicht aus Begeisterung, da er den Roman als wenig erschreckend empfand, doch nach dem Misserfolg seines Herzensprojekts Das Ding aus einer anderen Welt brauchte er einfach einen Job.
Die Besetzung besteht vor allem aus jungen, unverbrauchten Gesichtern, zum Beispiel dem späteren Baywatch-Star Alexandra Paul als Leigh Cabot in einer ihrer ersten Rollen. Altbekannte Gesichter wie Harry Dean Stanton als misstrauischer Bulle oder Robert Prosky als schmieriger Schrottplatz-Besitzer runden den Cast ab.
Musikalisch wird das Ganze vor allem von der typischen elektronischen John-Carpenter-Musik untermalt, doch dazwischen tauchen immer wieder alte Rock'n'Roll-Songs auf. Vor allem aber der Einstieg in den Film mit dem Song Bad to the Bone von George Thoroughgood & the Destroyers reißt den Zuschauer sofort in eine Welt, in der Musik und Autos mehr sind als einfach nur Nebensache.
Die auch heute noch beeindruckende Szene, in der sich Christine selbst wieder repariert, wurde übrigens erst im Nachhinein gedreht, weil der Regisseur zunächst das Mysterium aufrechterhalten wollte, dann aber doch einsah, dass das Publikum sehen wollte, was genau der Wagen tat, um wieder wie neu zu werden. Das obige Video enthält übrigens einige Ausschnitte dieser Momente.
Wie schon der Roman wurde der Film von der Kritik nicht gerade in den Himmel gelobt, und obwohl der Streifen an den Kinokassen nicht wirklich durchfiel, war er doch nicht der rauschende Erfolg, den man wegen des damals gerade übermäßig erfolgreichen Namens Stephen King erhofft hatte.

Die Folgen

Eine Zeitlang geriet Christine fast in Vergessenheit, doch der anhaltende Erfolg auf dem Heimkino-Markt (erst auf VHS, dann auf DVD und BluRay) machte aus dem anfangs wenig beliebten Streifen irgendwann einen Kultfilm.
Das gleichermaßen bullige und ästhetische Äußere des Plymouth Fury machte das eigentlich nicht sonderlich erfolgreiche Auto zu einer Art Sinnbild für die Autos der Fünfziger, und das, obwohl im Film auch Wagen der Baureihen Savoy und Belvedere den Platz der Hauptdarstellerin einnehmen mussten, weil man nicht genügend Furys auftreiben konnte.
Auch die inzwischen bekannte und bei den Fans beliebte rote Farbe war eigentlich nicht der Standard, sondern wenn überhaupt eine Sonderlackierung, da der Plymouth Fury normalerweise in Weiß mit goldenen Seitenstreifen angeboten wurde.
Das bösartige Auto wurde zu einem immer wiederkehrenden Bild vor allem in Verfilmungen von Stephen King. Bis heute tauchen in immer neuen Filmen und Serien, sie ich mehr oder weniger auf den "King of Horror" beziehen, rot-weiße Plymouth Furys auf, die mit dröhnendem Motor durch die Landschaft rasen. Für die besondere Rolle der wildgewordenen Auto-Dame spricht auch, dass spätere Bücher mit ähnlichem Thema wie Der Buick nie diesen Kult-Charakter erreichen konnten.
Und was John Carpenter angeht, der scheint sich inzwischen zwar vom Filmemachen weitestgehend zurückgezogen zu habn, doch ein von ihm selbst gedrehtes Musik-Video zu einer Neuaufnahme des Christine-Themas zeigt, dass auch er wohl inzwischen seinen Frieden mit dem roten Wagen geschlossen hat.


Die Folgen für mich

Auch bei mir ist Christine irgendwann unter den Hunderten anderer Bücher und Filme verloren gegangen, die ich in den 35 Jahren danach konsumiert habe. Das Buch verschwand in einem Regal in der zweiten Reihe, und die irgendwann gekaufte DVD wurde - feinsäuberlich im Regal einsortiert - vergessen.
Doch dann fand ich in einer Kiste im Keller einige alte Schreibmaschinenseiten, die wohl aus dem Jahr 1984 stammen mussten (einen Computer hatte ich damals noch nicht).
Sowohl der Roman als auch der Film Christine endeten damit, dass der dämonische Plymouth Fury möglicherweise nicht wirklich zerstört war, sondern sich erneut regeneriert hatte und nach einigen Jahren wieder loszog, um sich an denen zu rächen, die für seine zeitweise Zerstörung verantwortlich waren.
Mit gerade mal 19 Jahren hatte ich damals beschlossen, dass ich in der Lage wäre, eine adäquate Fortsetzung zu schreiben, in der die beiden Helden des Romans, Dennis und Leigh, die sich laut Original voneinander getrennt hatten, erneut aufeinander trafen und sich ihrer motorisierten Nemesis zu einem letzten Duell stellen mussten.
Somit ist diese Geschichte wohl eins der ältesten Werke aus meiner Feder, das den Weg in die Jetztzeit geschafft hat, und eins der ersten Beispiele für meine "Schreibkunst". Somit ist Christine im besonderen Maße verantwortlich für alles, was ich in den folgenden Jahren verfasst habe.
Damit ihr sehen könnt, was ich damals für eine gute Idee hielt, möchte ich wenigstens eine kurze Synopse des Textes bieten, den ich damals verfasst habe.

Christines Rückkehr

Ich hatte die Geschichte nach Las Vegas verlegt (warum, kann ich nicht mehr sagen, vermutlich hatte ich einen Film darüber gesehen und meiner Faszination für die Stadt in der Wüste nachgegeben), wo Leigh mit ihrem neuen Freund lebte, den ich schon auf der ersten Seite von Christine umbringen ließ.
Dennis hatte vom erneuten Auftauchen des Wagenms gehört und tauchte in Vegas auf, um Leigh beizustehen. Nachdem sie Christine in einer wilden Verfolgungsjagd entkommen waren, sich aber im Streit getrennt hatten, entführte Christine das Mädchen (bemerkenswerterweise in einer Szene, die dem obigen Musik-Video sehr ähnelt). Dennis lockte das verfluchte Auto daraufhin mit seinem Pontiac Firebird zu der Baustelle eines Casinos (ich schwöre, das war vor Knightrider, aber auch eindeutig nach Ein ausgekochtes Schlitzohr), wo es im strömenden Regen zum letzten Duell kam (ja, genau, in Las Vegas, wo es gefühlt nur ein paar Mal im Jahr ein paar Tropfen regnet).
Das Ende der nur wenige Seiten langen Geschichte war, dass Leigh aus dem fahrenden Auto sprang, während Dennis Christine mit seinem Wagen in ein frisch gegossenes Fundament schob, aus dem sie mehrfach versuchte, sich mit dröhnendem Motor zu befreien, bevor sie endgültig im Beton versank.
Dennis und Leigh, die am Ende natürlich wieder zusammen waren (ich bin nun mal ein Romantiker), besuchten irgendwann das fertige Casino, und sie waren sich beide absolut sicher, dass sie aus dem Bode der Eingangshalle das Dröhnen des mächtigen Achtzylinders hörten, der immer noch in seinem grauen ausgehärteten Gefängnis lief, selbst nach vielen Monaten.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Sandfox auf hoher See - Die HelgoCon19

Manchmal braucht es einen Zufall für die aufregenden Momente im Leben. Bei einem Gespräch mit Michael von jaegers.net über ein gemeinsames Projekt erzählte ich von meiner Faszination für die Insel Helgoland, worauf er meinte, er plane gerade zusammen mit einigen anderen die erste deutsche Hochsee-Convention, die HelgoCon19 (wenn diese auch damals noch nicht so hieß).
Thema des gemeinsamen Treffens sollte cthulhuides Rollenspiel sein, am besten mit einem Bezug zum Meer.
Nun muss man mir keinen besonderen Anreiz geben, wenn es darum geht, nach Helgoland zu fahren (einen Ort, mit dem mich seit meiner Jugend eine tiefe Faszination verbindet), und mit Cthulhu kriegt man mich auch ganz schnell, also quengelte ich so lange, bis ich den (zu der Zeit) letzten freien Platz bekam.
Und so saß ich mit den restlichen Teilnehmern am 18. Januar 2019 an Bord der MS Helgoland, der einzigen Möglichkeit, im Winter die Insel als Tourist zu erreichen.

Die Besetzung der HelgoCon19

Neben dem bereits erwähnten Michael von jaegers.net hatten sich auch Jens und Sandra vom Ausgespielt-Podcast eingefunden, dazu noch Tim, den man in Hamburg gerne im absolut tollen Spiele-Café Würfel & Zucker trifft, und mit Fabian und Mathias zwei weitere Leute aus dem Umfeld der restlichen Anwesenden. Und dazu noch ich, der sich auf drei Tage Inseldasein freute, immer in der Hoffnung, dass uns die Wetterlage wieder eine glückliche Rückfahrt ermöglichen würde.
Von daher ist die HelgCon19 ein sicherer Anwärter für die wohl kleinste Convention 2019 mit insgesamt sieben Teilnehmern.
Gewohnt haben wir übrigens im Haus Sathurn, einem modernen Ferienhaus für bis zu acht Personen, das wirklich hielt, was Bilder und Werbesprüche ankündigten. Große Empfehlung!


Ein paar Worte zu Helgoland

Deutschlands einzige Hochsee-Insel, früher auch gerne der "Fuselfelsen" genannt wegen der Möglichkeit, vor Ort ohne Mehrwertsteuer zum Beispiel Alkoholika einzukaufen, hat eine bewegte Geschichte hinter sich (wer interessiert ist, den verweise ich an dieser Stelle auf Wikipedia als Einstieg).
Helgoland ist auch heute noch in den Frühlings- und Sommermonaten oft von Tagestouristen überschwemmt, die vom späten Vormittag bis zum Nachmittag über die Einkaufsstraßen herfallen, doch in den frühen Morgenstunden und am Abend, wenn nur die Einheimischen (die "Hallunder") und die Dauergäste vor Ort sind, entfaltet Helgoland seinen sperrigen, knorrigen Charme
Die gerade mal einen Quadratkilometer große Insel ist im vorderen Bereich dicht bebaut, und vor allem im hochgelagerten Oberland kann man sich schnell in den kleinen Gässchen verlieren, die einen dann plötzlich doch noch irgendwo dort ausspeien, wo man ungefähr hinwollte.
Alles hat den Charme eines kleinen norddeutschen Dorfes, wenn dieses auch etwa 50 Kilometer über See vom nächsten Stück Land entfernt liegt. Doch wenn man bei Sonnenaufgang am Rand der Klippen steht und sich den kühlen Wind vom Meer um die Nase wehen lässt, dann möchte ich den sehen, der sich der Faszination dieses Ortes widersetzen kann.


Spielrunden

Wie gesagt, cthulhuides Rollenspiel sollte im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stehen, und so kam es zu folgenden Spielrunden:
  • Freitagabend sammelte sich in einer Ecke des Wohnzimmers eine Gruppe von Laundry-Agenten, die sich wie immer eines absurd-grausigen Falls annehmen mussten, während am nahegelegenen Esstisch zwei mutige Plüsch-Recken das Auftauchen des großen Plüschulhu vor der Helgoländer Küste mit den Regeln des Bäronomicon verhindern konnten.
  • Samstagmorgen stürzten wir gemeinsam den bedauernswerten Aushilfspfarrer Hein Godermann der Helgoländer Gemeinde St. Nicolai in sein cthulhuid geprägtes Unglück, in einer Runde des hervorragenden Erzählspiels Lovecraftesque.
  • Den Rest des Tages verbrachten wir als britisch-amerikanischer Einsatztrupp auf einer verlassenen(?) russischen Eisdriftstation im Nordpolarmeer, mit dem Abenteuer Weißer Tod von der 100 Questen Gesellschaft e.V..
  • Der Sonntagmorgen stand im Zeichen einer Bunkerführung, bei der wir den zivilen Luftschutzbunker der Insel besuchen konnten, bedrückendes und zugleich faszinierendes Relikt einer hoffentlich nie wiederkehrenden Zeit, was in der Folge noch zu einigen Diskussionen führte.
  • Quasi als Ausgleich hatten wir am Nachmittag eine der lustigsten Runde des Wochenendes, bei der wir Michael nach den Regeln von Everyone is John als verwirrten Schizophrenen "John" durch Innsmouth jagen durften.
  • Am Abend durfte ich dann die versammelte Truppe in einer Runde Dockside Dogs (einem meiner erklärten Lieblings-Szenarien für Cthulhu) zur totalen Eskalation führen. Ich hoffe nur, dass von außen niemand hören oder sehen konnte, wie wir uns scheinbar an die Gurgel gingen.
  • Montagmorgen versuchten wir uns dann noch an einer Runde Trail of Cthulhu, die jedoch aus Zeitgründen leider beendet werden musste, da die Abfahrt unseres Schiffes anstand.


Essen

Ein besonderer Dank gebührt an dieser Stelle noch Tim, der als unser Smutje dafür sorgte, dass garantiert niemand verhungern musste und dass meine Blutwerte nach dem Wochenende sicherlich völlig jenseits aller guten und gesunden Werte lagen.
Aber wenn wir schon sterben, warum dann nicht an einem Apfel-Bananen-Crumble mit Vanille-Eis?
😋

Fazit

Das wichtigste Fazit aller Anwesenden war wohl: die HelgoCon20 kann kommen!
Und das ruhig wieder am gleichen Ort zur gleichen Jahreszeit.
Da aufgrund kurzfristiger Terminprobleme letztendlich nur sieben statt acht Leuten mitfahren konnten, wollen wir schauen, dass wir beim nächsten Mal vielleicht in Vollbesetzung auflaufen werden.
Genug Ideen für Helgoland-zentrierte Abenteuer sind auf jeden Fall vorhanden. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.