Montag, 6. Juli 2020

Das war die FeenConline 2020

Corona hat dieses Jahr fest im Griff, und die meisten Rollenspiel-Conventions in diesem Jahr wurden entweder abgesagt oder wanderten ins Internet ab.
So auch die wohl älteste Convention Deutschlands, die FeenCon, die in diesem Jahr unter dem Namen FeenConline 2020 stattfand, nicht zuletzt auch, weil die Stadthalle Bonn Bad-Godesberg Insolvenz anmelden musste und somit auch unter eventuellen Hygiene-Auflagen keine Veranstaltung dort mehr möglich war.
Also wurde die komplette Convention auf Discord bzw. Twitch verlegt, wo auf mehreren Servern das Programm ablief.
Es gab auf Discord einen dezidierten Server für Stände und allgemeine Informationen (der gelbe Button auf dem Bild zur Linken) und für Spielrunden einen zusätzlichen Server, um das eh schon unübersichtliche Angebot etwas zu entzerren.
Dazu kamen drei Twitch-Kanäle, darunter auch die allgegenwärtigen Orkenspalter TV.
Das ganze Angebot wurde über die altbekannte Website https://www.feencon.de gesteuert und verlinkt.

Die Stände

Wer sich für einen Stand auf der FeenConline 2020 anmeldete, bekam einen Unterordner auf dem ersten Server zugeordnet.
Dort befand sich ein Textkanal #stand-von-xxx, den man nach Belieben gestalten konnte (zum Beispiel mit Links zu eigenen Websites, Bildern, erklärenden Texten usw.).
Der Textkanal #chat-mit-xxx konnte von allen Besuchern benutzt werden, um Kontakt mit dem jeweiligen Aussteller aufzunehmen.
Und wer wollte, konnte über Rede mit xxx auch in direkten Sprechkontakt mit dem jeweiligen Aussteller treten (wenn er denn "vor Ort" war).

Das Programm

Wie bereits erwähnt, gab es insgesamt drei Live-Kanäle auf Twítch, die mit Programm gefüllt waren.
Dazu gehörten Lesungen, Talkrunden, Vorträge und vieles mehr, wobei die Besucher die jeweiligen Programmpunkte mit Chats begleiten bzw. Fragen an die Vortragenden richten konnten.
Ich selbst hatte das Vergnügen, zwei Vorträge halten zu dürfen, zum einen über das Thema Horror im Rollenspiel (ein Klassiker, wenn auch heute unter anderen Vorzeichen als in früheren Jahren) und Die eigene Welt im Abenteuer
Weitere Programmpunkte fanden an den Ständen einzelner Aussteller statt, so zum Beispiel bei der Redaktion Phantastik, die jedoch leider weit weniger Zuschauer fanden.

Die Rollenspielrunden

Wer eine Rollenspielrunde anmeldete, erhielt einen separaten Spielbereich auf dem entsprechenden Discord-Server.
Der Textkanal #_spieltisch konnte dabei für allgemeine Informationen oder das Bereitstellen von Kurzregeln, Charakterbögen oder Bildern genutzt werden.
Der Sprachkanal _spieltisch war dann vorgesehen für die eigentliche Runde, während man im Sprachkanal stille kammer heimliche Gespräche mit einzelnen Teilnehmern führen konnte.
Was etwas verwunderte, war die Tatsache, dass die Kanäle für alle Besucher offenstanden, so dass bei manchen Runden plötzlich stille Zuhörer auftauchten, die einfach nur dem Geschehen lauschen wollten... ich glaube, dies war nicht allen Teilnehmern wirklich angenehm.

Eindrücke

Eine Convention online durchzuführen und auch online daran teilzunehmen, bedeutet für manche Menschen eine gewisse Einstiegshürde.
Wer sich mit Discord nicht auskannte, konnte schon mal in der Unmenge an Runden und Ständen verloren gehen. Auch einige Standbetreiber waren offensichtlich überfordert oder hatten nicht die ausreichende Personalkapazität, so dass viele Kanäle oft verwaist waren und einige nicht einmal mit irgendwelchen statischen Inhalten versehen waren.
Die Tatsache, dass weder die Stände noch die Spielrunden in Discord sortiert waren, machte das Zurechtfinden zudem nicht wirklich einfacher (hier haben die Veranstalter allerdings noch während der Convention mit einem zentralen Verzeichnis nachgeholfen, das jedoch in der Handy-Version von Discord nur begrenzt weiterhalf, weil man immer nur zum Chat-Teil des Standes oder der Runde geleitet wurde, ohne jedoch dann den Rest des Standes erreichen zu können).
Alles in allem irrte der Besucher gelegentlich durch die verschiedenen Bereiche des Servers, suchte nach Informationen, fand bisweilen Dinge, die er gar nicht gesucht hatte, oder unterhielt sich auch mal mit Leuten, die gerade im Sprachkanal eines Standes waren, einfach so, weil er das gerade entdeckt hatte. Die Hemmschwelle hierfür war jedoch oft genauso hoch wie bei einem normale Convention-Besuch.
Wenn sich verschiedene Leute mal in einem Sprachkanal fanden (manchmal zu vorab angekündigten Terminen wie beim Online-Treffen der Redaktion Phantastik, manchmal nach Vorträgen wie meinem Horror-Workshop), dann kam noch am ehesten das gute alte Con-Feeling auf, wo man sich mit Gleichgesinnten auf einen gemütlichen Klönschnack traf.
Das Live-Programm auf den verschiedenen Kanälen (FeenConline, FeenConline - Brunnensaal, Orkenspalter TV) wurde hingegen sehr gut aufgenommen; so erreichte ich Samstagabend von 23:00 Uhr bis Mitternacht noch über 60 Zuschauer mit dem Vortrag Wie werde ich gruselig?
Eine schöne Zahl, mit der ich sehr zufrieden war, vor allem, weil im Anschluss noch bis nach 2:00 Uhr morgens an meinem Stand weiter diskutiert wurde.

Fazit

Mit etwa 650 Besuchern konnte die FeenConline 2020 nicht den Besucherschnitt der vergangenen Jahre halten, aber das war wohl auch nicht zu erwarten, da immer noch viele Rollenspieler dem Online-Ableger des Rollenspiels nicht wirklich trauen.
Auch die Abneigung mancher Leute gegen Discord oder Twitch könnte ihren Anteil daran gehabt haben, dass viele potenzielle Besucher der Veranstaltung fernblieben.
Die Organisatoren waren im Vorfeld sehr bemüht, solche Ressentiments abzubauen, und haben auch in mehreren Workshops und über persönliche Unterstützung Hilfe bei der Vorbereitung und Bearbeitung von Ständen und Spielrunden angeboten.
Trotzdem merkte man an manchen Stellen, dass noch einiges unter dem altbekannten Motto "Versuch macht kluch!" ablief (nicht nur bei den Veranstaltern, sondern auch durchaus bei den Ausstellern und Künstlern, den Vortragenden und Spielleitenden). Unsortierte Stände, ständige Benachrichtigungen aus Discord, die man erst einmal stummschalten musste, verschiedene Kanäle, auf denen man sich zurechtfinden musste.
Eine weitere solche Veranstaltung wird sicherlich besser ablaufen, wenn die Organisatoren, aber auch die anderen Teilnehmer, aus den diesmal aufgetretenen Problemen lernen.
Und das ist gut so, denn wer weiß schon, wie lange wir noch unter den aktuellen widrigen Umständen leiden müssen.
Ich für meinen Teil freue mich schon auf die Online-Version der Dreieichcon im November, deren Ausrichter auch auf der FeenConline 2020 zugegen waren, um sich wohl auch Anregungen zu holen.
Lasst uns alle in dieser Zeit zusammenarbeiten!

Mittwoch, 17. Juni 2020

Sandfox labert ... über Einflüsse.

Wie versprochen gibt es eine neue Folge Sandfox labert.

Nachdem ich mich schon darüber ausgelassen habe, was man bei der Bewertung von Kunst beachten sollte (siehe hier) und ob Kunst originell sein kann/muss (siehe hier), möchte ich diesmal erzählen, welche "Kunstwerke" (ich benutze diesen Begriff jetzt einfach mal) mich zu dem Autoren und Journalisten, Blogger und Podcaster, schlichtweg zu dem Menschen gemacht haben, der sich hier auf diesen Seiten präsentiert.

Wenn du mich also über all das labern hören willst, was mir so in den letzten 55 Jahren gut gefallen hat, und was nicht, dann hör doch rein in die neue Folge:



Wie im Podcast erwähnt, findest du mich im Web unter:

Die Musik aus dem Podcast ist eine gekürzte Fassung des Tracks Positive and Inspiring Corporate von Andrey Sitkov, lizensiert unter den Humble Big Music Bundle for Games, Films, and Content Creators - License Terms.

Montag, 8. Juni 2020

Sandkastenspiele - Die Rückkehr des Podcasts

Kaum jemand hat es wohl noch geglaubt, vielleicht nicht einmal ich, aber der Podcast, der nach diesem Blog benannt wurde, ist zurückgekehrt!

Es gab einige Probleme, die ich erst mal ausmerzen musste, bevor ich mich wieder um mein Gelabere, Gelese und Geplaudere kümmern konnte.
Ich musste zum Beispiel meine komplette Musik austauschen und außerdem feststellen, dass mehr als die Hälfte meiner Podcasts nicht mehr online verfügbar waren.
Eine komplette Folge ist zudem dem Hinweis einer guten Freundin zum Opfer gefallen, die meinte, dass niemand hören wolle, welche Dinge ich in meiner Jugendzeit gehört, gesehen und gelesen habe (wenn ihr das anders seht, schribt mir bitte).

Dies alles und noch einiges mehr zur Rückkehr der Sandkastenspiele findet ihr unter der folgenden Verknüpfung:


Die angekündigten Verknüpfungen aus dem Podcast:

Du findest mich im Web unter:
Die Musik aus dem Podcast ist eine gekürzte Fassung des Tracks Action Time von Andy Ray, lizensiert unter den Humble Big Music Bundle for Games, Films, and Content Creators - License Terms.


Dienstag, 14. April 2020

Die besten Horrorfilme des Jahres 2011 - "Cabin in the woods" & "Trollhunter"

Die Übersicht über die ganze Artikel-Reihe befindet sich hier.

Fahren wir fort mit unserer Tour durch die Zehnerjahre des 21.Jahrhunderts und begeben wir uns ins Jahr 2011.

Das Jahr 2011

Ein Erdbeben und ein anschließender Tsunami lösen im japanischen Fukushima eine schwere Nuklear-Katastrophe aus, was in Deutschland zum Atomausstieg führt. Der arabische Frühling nährt für eine gewisse Zeit im Nahen Osten die letztendlich trügerische Hoffnung auf Demokratie und Veränderung. Gleichzeitig schlittert der Euro in eine tiefe Krise mit Rettungsschirmen und Konsolidierungsmaßnahmen, und der Tod des Technikvisionärs Steve Jobs lässt seinen Konzern Apple zeitweise kopf- und ziellos zurück.
"Stresstest" ist das Wort des Jahres, und ich beschäftige mich mit der deutschen Ausgabe von Cthulhu Now und schreibe für das Cthulhu Spielerhandbuch das Abenteuer Sie haben Ihr Ziel erreicht.

Der Horrorfilm des Jahres: Cabin in the woods

Es gab schon immer Filme, die sich daran versuchten, die Methoden und Tricks des Horrors offenzulegen oder sie - kombiniert mit anderen Handlungselementen oder ironischen Brüchen - zur Grundlage eines neuen Films zu machen.
Cabin in the woods holte 2011 zu einem Rundumschlag gegen das Genre aus und mischte seine Abrechnung mit der Einfallslosigkeit vieler Horrorfilme und den immergleichen aufgewärmten Klischees mit einer gehörigen Portion sarkastischen und bösartigen Humors.


Fünf junge Studenten machen sich auf den Weg zu einer einsamen Waldhütte. um ein wildes Wochenende zu erleben. An der letzten Tankstelle vor dem Ziel werden sie von dem schmierigen Tankwart gewarnt, dass in der Hütte nichts Gutes auf sie wartet, doch sie schlagen seine Worte in den Wind und fahren doch zu ihrem Ziel.
Dort erwecken sie eine alte Macht, die ihnen nun nach dem Leben trachtet. Doch anders als in vielen anderen Filmen dieser Art (und es gibt sicher Tausende davon) wird hier das Verhalten der Monster und Opfer von einer geheimen Regierungseinrichtung aus kontrolliert und teilweise auch gesteuert.
Und wie es scheint, dreht sich bei diesem Vorhaben alles um nicht weniger als den Fortbestand der Menschheit.

Cabin in the woods beginnt mit einer Szene in der angesprochenen Einrichtung, die schließlich in einen Titel-Schriftzug mündet, der augenblicklich an die Achtziger erinnert. Diese Eröffnungssequenz erweist sich natürlich als ausgesprochen geschickter Schachzug, wenn man bedenkt, dass die nun folgende Handlung zunächst einmal nach dem 1.000. Aufguss alter Klischees aussieht. Doch so will man wissen, was diese wirklich widerwärtig selbstherrlichen Kretins in ihren Laborkitteln, die man sofort mit Inbrunst hasst, mit all dem zu tun haben, was den jungen Leuten.
Auch einige andere Szenen, die scheinbar nicht in ins Bild der Klischees passen, wecken die Neugier des Zuschauers.
Und soviel sei verraten, er wird für seine Geduld belohnt, denn Cabin in the woods fährt vor allem am Ende eine ganze Menagerie von Monstern auf, entweder klassische Kreaturen oder geschickt abgewandelte Kopien, wenn die entsprechenden Rechte nicht frei verfügbar waren. Das Ganze wird dann noch mit einem stellenweise sehr zynischen Humor garniert, der jedoch möglicherweise manchem Zuschauer auch sauer aufstoßen wird.
Das Ende des Films passt hingegen hervorragend zu diesem boshaft-amüsierten Grundtenor und ist auf angenehme Weise kompromisslos inszeniert.
Cabin in the woods wurde zum Überraschungshit und hätte sicher auch das eine oder andere Sequel nach sich gezogen, wenn das nicht so absurd gewesen wäre. So bleibt uns ein Film, der genau weiß, woher er kommt, und darum auch vor allem erfahrenen Horror-Fans Spaß machen wird, die gerne versuchen können, alle Referenzen auf bekannte Filme und Reihen zu entdecken.

Ehrenvolle Erwähnung: Trollhunter

Der norwegische Film Trollhunter versucht sich an dem Spagat, einen Found-Footage-Film über die Jagd nach Trollen zu inszenieren, der so aussieht, als sei er real und ohne Filmteam realisiert worden, der aber gleichzeitig stark von seinen aufwändigen Spezialeffekten abhängt.
Und tatsächlich gelingt ihm dieses Vorhaben bemerkenswert gut.


 
Das Titelbild stammt von Maret Hosemann und wurde heruntergeladen von Pixabay.